Pensionierter Lehrer trainiert viele Sportschützen in Marlow : Schütze mit Leib und Seele

Dierich Kaletta (71) ist Übungsleiter des Schützenvereins Gresenhorst.dapd
Dierich Kaletta (71) ist Übungsleiter des Schützenvereins Gresenhorst.dapd

"Tief durchatmen, die Zehn anvisieren, leicht ausatmen", rät der Übungsleiter des SV Falke Gresenhorst, seinem Schützling. Der Schuss sitzt. Der pensionierte Lehrer ist Schütze mit Leib und Seele.

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19. Oktober 2011, 11:41 Uhr

Gekonnt fädelt Dietrich Kaletta die Schießscheibe zwischen den beiden Klemmen ein. Ein Knopfdruck und in Windeseile rast das vorbereitete Ziel am Laufband 25 Meter zurück in die Ausgangsposition. "Tief durchatmen, die Zehn anvisieren, leicht ausatmen, die Anspannung halten und den Schuss kommen lassen", rät der 71-jährige Übungsleiter des SV Falke Gresenhorst, ein Ortsteil von Marlow im Landkreis Vorpommern-Rügen, seinem Schützling. Der Schuss sitzt. Der pensionierte Mathematiklehrer ist Schütze mit Leib und Seele.

"Alle meine Vorfahren waren Schützen und auch Lehrer", erzählt der Pädagoge. Weil der Lohn für Dorflehrer früher bescheiden war, wurde Selbstversorgung großgeschrieben. Deshalb war neben dem Hausgarten auch die Jagd für viele ein Muss. Mit seinem Vater Richard Kaletta sei er damals in Kuhlrade im Kreis Ribnitz-Damgarten viel im Wald unterwegs gewesen. "Aber auf Tiere zu schießen, war nicht so mein Ding", erinnert sich Dietrich Kaletta. Doch den damals 13-Jährigen hatte der Ehrgeiz gepackt, er ließ sich von seinem Vater auf einer alten Anlage das Schießen beibringen.

Als er dann selbst als Lehrer arbeitete, baute Dietrich Kaletta in Gresenhorst eine Sektion Sportschießen auf. Der verfallene Schießstand wurde überholt. "Und weil es kaum andere sportliche Angebote gab, habe ich versucht, Kinder für mein Hobby zu begeistern", erklärt Ex-Lehrer Kaletta sein Engagement, das sich im Dorf schnell herumsprach.

Kinder und Schießsport - Dietrich Kaletta hatte damit nie ein Problem. Verlässlichkeit, Konzentration, Ausdauer, Verantwortung, Gemeinschaftssinn waren gefragt. Dietrich Kaletta kramt alte Fotos hervor, die meisten noch in Schwarz/Weiß. Sie zeigen viele seiner Schüler auf dem Siegerpodest mit Gold-, Silber und Bronzemedaillen um den Hals. "Als kleiner Dorfverein haben wir uns immer wieder auch gegen Teilnehmer aus den großen Leistungszentren durchgesetzt. Obwohl die viel bessere Trainingsmöglichkeiten hatten als wir", sagt Kaletta stolz.

Seinen größten sportlichen Erfolg errang der gebürtige Greifswalder 1982 mit dem Gewinn der DDR-Mannschaftsmeisterschaft im Luftdruckgewehrschießen. Das Foto zeigt die damals 16 und 17 Jahre alten Schüler Henry Schröder, Torsten Harms und Maik Lübke beim Abschlusstraining im umgebauten Klassenzimmer. Der Sieg über die namhaften Clubs aus Berlin und Leipzig hatte noch ein Nachspiel, wie sich der Trainer schmunzelnd erinnert. Unmittelbar nach den Weltmeisterschaften 1986 in Suhl wurde eine der seinerzeit modernsten Schießanlagen nämlich demontiert und nach Gresenhorst verfrachtet. Sie ist bis heute das Herzstück des nach der Wende gegründeten Schützenvereins "Falke".

Eine gute Gemeinschaft sei es geblieben, sagt Kaletta. So wurde gemeinsam ein alter Hühnerstall zum Vereinshaus umgebaut. Aber die Jungen fehlen ihnen. Kinder als Mitglied sind inzwischen die absolute Ausnahme, sagt Kaletta bedauernd. Die Schülerzahlen sind auch in Gresenhorst spürbar zurückgegangen, Jugendliche suchen ihre berufliche Zukunft vornehmlich in anderen Bundesländern. "Unser Altersdurchschnitt liegt deutlich über 50." Er zeigt auf ein Bild an der Wand, auf dem etwa 20 Frauen und Männer in grüner Mitgliedsuniform zu sehen sind. "Erfolg haben wir immer noch", sagt Kaletta und tippt auf eine Frau im Bild: Karin Hennings, mit 68 Jahren aktuelle Landesschützenkönigin.

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