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20. September 2017 | 13:19 Uhr

Schreckschüsse gegen Krähenplage

vom

svz.de von
erstellt am 01.Okt.2010 | 06:06 Uhr

Wittenberge | Mehr als 300 Saatkrähenpaare ziehen ihre Jungen in Wittenberge auf, davon allein 176 im ehemaligen Krankenhauspark an der Perleberger Straße: Für den Naturschutz ist eine solche Kolonie ein Glücksfall. Aus Sicht vieler Wittenberger gleicht die Vorliebe der schwarzgefiederten Vögel für das Innenstadtgebiet eher einer Katastrophe. Mit den Saatkrähen verbinden das Awo-Seniorenzentrum in der Stein-Hardenberg-Straße und Bewohner in angrenzenden Bereichen die Begriffe Lärm, Dreck, zusätzliche Kosten.

Wittenberger und Awo fordern: Die Krähen müssen weg. Dass das leichter gesagt als getan ist, erfuhren Betroffene spätestens bei einer Zusammenkunft am Donnerstagnachmittag, zu der Bürgermeister Dr. Oliver Hermann auch die Fachfrau aus dem Rathaus Peggy Heyneck mitgebracht hatte. Der Landkreis war ebenso vertreten. Das musste sein, denn sein Sachbereich Naturschutz muss festlegen, ob und wie die Kolonie aus dem Krankenhauspark vergrämt wird.

Eine knifflige Angelegenheit. Denn der Gesetzgeber hat die Saatkrähen, ihre Gelege, die Jungen und auch ihren Lebensraum, sprich die hohen Bäume, unter Schutz gestellt. Die Population ist brandenburgweit stark rückläufig, auch wenn Wittenberger wie Lucie Stahl aus der Beethovenstraße es nicht glauben, "weil der Himmel über uns immer ganz schwarz ist von den vielen Vögeln". Für Dr. Elvira Nannt, ebenfalls Beethovenstraße, ist es ganz klar: "Die Krähen sind hässlich und nützen uns nicht. Warum werden sie geschützt?"

Die überwiegende Mehrheit an jenem Nachmittag war an einer sachlichen Diskussion mit einem Ergebnis interessiert, "mit dem alle leben können". "Wir müssen einen Kompromiss finden", sagte der kreisliche Bereichsleiter Umweltschutz Bernd Lindow. Die 2. Beigeordnete des Landrates, Dr. Sabine Kramer, stimmte zu, warnte aber vor überzogenen Hoffnungen. Es werde lange dauern.

Der hohe Schutzstatus der Vögel steht außer Zweifel. Die Kreisverwaltung prüft derzeit nach den Worten von Lindow, mit welchen Maßnahmen die Saatkrähen vergrämt werden können. Auf drängende Fragen aus dem Publikum versicherte er mehrfach, die Entscheidung werde noch im Herbst fallen. Auch für Bürgermeister Hermann und den Awo-Gewchäftsführer Wolfgang Schulz eine gute Botschaft: "Wir wollen die Situation im Sinne unserer Bürger entspannen. Ich sehe durch die Krähen auch wirtschaftliche Interessen in mehrfacher Hinsicht berührt. "

Und was ist geplant?

Gern gab Lindow das nicht preis, denn noch hat der Kreis nicht endgültig entschieden, ob die Kolonie überhaupt vergrämt werden darf. Aber es läuft wohl alles darauf hinaus, dass vor der Brutperiode die Nester aus den hohen Bäumen entfernt werden. Mit Schreckschusspistolen sollen die Vögel am Neubau von Nestern gehindert werden. Bleibt zu hoffen, dass die Bewohner im Pflegezen trum das laute Knallen vertragen. Nachdenklich stimmen die Wortmeldungen von Herbert Schulz (NABU) und Wilfried Treutler (BUND) an diesem Nachmittag. "Wenn es kein Gebiet gibt, wohin sich die Saatkrähen zurück ziehen können und wir sie in Ruhe lassen, werden wir das Problem immer haben", so Schulz. Treutler erinnert daran, dass "die Vögel doch nicht aus Bösartigkeit in die Stadt kommen, sondern wir Menschen haben ihnen den natürlichen Lebensraum mit seinen Nahrungsquellen genommen".

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