Schon jeder fünfte Haushalt in Schwerin überschuldet

svz.de von
10. Februar 2010, 07:16 Uhr

Schwerin | Immer mehr Schweriner tappen in die Schuldenfalle: "Jeder fünfte private Haushalt in der Landeshauptstadt ist mittlerweile davon betroffen", sagt Siegfried Jürgensen, Leiter der Beratungsstelle Lichtblick des Diakoniewerks Neues Ufer. Alarmierend: Die Betroffenen stehen bei immer mehr Gläubigern in der Kreide. So hatten die 180 in 2009 neu in die Betreuung aufgenommenen Ratsuchenden 78 Prozent mehr Einzelverbindlichkeiten als die neuen Klienten des vorvergangenen Jahres.

Im Durchschnitt machten Gläubiger gegen jeden 2009 erstmals beratenen Hilfesuchenden 14 Forderungen in Höhe von insgesamt 22 055 Euro geltend. Alle am Ende des vergangenen Jahres durch die Beratungsstelle betreuten 640 Klienten standen mit zusammengerechnet rund 14,2 Millionen Euro im Soll, verteilt auf 6307 Verbindlichkeiten. Betroffen ist insbe son dere die Alters gruppe der 28- bis 45-Jährigen, sagt Jür gensen.

"Die Anzahl der Ratsuchenden ist 2009 weiter gestiegen und überschreitet nach wie vor die Aufnahmemöglichkeiten der einzigen als geeignet anerkannten Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstelle der Landeshauptstadt", sagt der Lichtblick-Chef. Entsprechend viel Geduld hätten die Schuldner aufbringen müssen: "Die Wartezeit auf einen Beratungstermin betrug im vergangenen Jahr zwischen neun und zwölf Monaten."

Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit, die eigenen finanziellen Möglichkeiten übersteigendes Konsumverhalten - das sind laut Lichtblick-Beratungsstelle wesentliche Ursachen für die wachsende Verschuldung. "Immer häufiger kommen aber auch Menschen zu uns, die zwar arbeiten, von ihrem niedrigen Einkommen aber keine Rücklagen bilden können und durch Kontoüberziehung und Kreditaufnahme schleichend in die Schuldenfalle geraten", berichtet Siegfried Jürgensen.

Auffällig sei darüber hinaus, dass gerade junge Menschen kaum Kenntnisse über Zusammenhänge und Konsequenzen in Geldangelegenheiten hätten. "Oft wird dieses Wissen in Elternhäusern und Schulen nicht ausreichend vermittelt", sagt Jürgensen.

Mehr als 45 Prozent der Schuldensumme aller Lichtblick-Klienten stehen bei Kreditinstituten und Banken aus. Aber auch offene Rechnungen bei Telekommunikationsanbietern und Versandhäusern sind häufig.

Ermutigend: "Es gelingt uns immer öfter, zu einer erfolgreichen Einigung zwischen Schuldner und Gläubiger zu kommen", sagt Jürgensen. In 75 Prozent aller beendeten Fälle habe 2009 eine positive Lösung im Sinne einer Entschuldung, Gesamt- oder Teilregulierung beziehungsweise einer Eröffnung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens erreicht werden können.

Durch die für Mitte dieses Jahres vorgesehene Einführung des so genannten Pfändungsschutzkontos erwarten die Berater deutliche Verbesserung für überschuldete Haushalte. "Denn dann können sich Schuldner unter bestimmten Voraussetzungen die Unpfändbarkeit ihres Einkommens bescheinigen lassen", so Jürgensen. Bislang seien die Betroffenen durch Kontopfändungen oft schnell in ihrem Existenzminimum bedroht und durch Kündigung der Konten vom bargeldlosen Zahlungsverkehr ausgeschlossen.

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