Güstrow: Weißer Ring zeigt Ausstellung „Opfer“ : Schockwirkung beabsichtigt

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Brutal rückt die Ausstellung "Opfer" der Opferschutzorganisation Weißer Ring die Betroffenen von häuslicher Gewalt und von sexuellem Missbrauch in den Mittelpunkt.

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30. September 2011, 11:00 Uhr

Diese drastischen Darstellungen erfordern Mut beim Betrachter. Und zwar den Mut, nicht weg zu schauen und das Schweigen zu brechen. Hier das zerschlagene Gesicht einer Frau, dort der geschundene Körper eines Kindes - Geradezu brutal rückt die Ausstellung "Opfer" der Opferschutzorganisation Weißer Ring die Betroffenen von häuslicher Gewalt und von sexuellem Missbrauch in den Mittelpunkt. "Es tut weh, aber man muss solche Mittel bemühen, um die Leute wach zu rütteln", sagt Rolf Matschinsky von der Güstrower Außenstelle des Weißen Rings. Ständig hat er mit eben jenen Opfern häuslicher und sexueller Gewalt zu tun, kennt ihre Leiden und ihre Schicksale. "Die Zahl der Menschen, die bei mir Hilfe suchen, reißt nicht ab." Deshalb war es ihm ein besonderes Anliegen, diese Ausstellung nach Güstrow zu holen. "Opfer" wird am 10. Oktober um 14 Uhr im Foyer der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege MV in Güstrow eröffnet. Zu sehen bis zum 23. Oktober.

Mehr als 100 Exponate werden demnächst in den Fluren der Verwaltungsfachhochschule gezeigt - Fotos und Plakate. Sie sollen nicht nur wachrütteln, sondern Opfer von Gewalt ermutigen, Unterstützung zu suchen und sich gegen Übergriffe zu wehren, sagt Andreas Kuessner, Landesbüroleiter des Weißen Rings MV. "Die Wanderausstellung ist provokativ. Das soll sie auch sein. 40 Prozent der von uns betreuten Opfer haben häusliche oder sexuelle Gewalt erfahren", sagt er. Die 2003 in Thüringen von Studenten der Bauhaus-Universität Weimar entwickelte und erstmals gezeigte Ausstellung war bereits in fünf Städten in Mecklenburg-Vorpommern zu sehen. Güstrow ist die letzte Station.

Wegen der Wichtigkeit des Themas hätte sich Matschinsky einen anderen, öffentlicheren Ort für die Schau gewünscht. Aber die Wollhalle ist für zwei Jahre ausgebucht. "Dennoch ist es wichtig, ,Opfer’ jetzt in Güstrow zu zeigen", so Matschinsky. Er weiß, dass bei fast jedem Fall häuslicher Gewalt auch sexueller Missbrauch mit im Spiel ist. "Immer spielt die Erniedrigung der Frau auch vor den Kindern eine große Rolle", sagt er. Ihm ist bewusst, dass die Fälle, die er betreut, nur die Spitze des Eisbergs sind. "Häusliche Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen."

Roswita Dargus vom Arbeitskreis Opferschutz, der sich in der Region Güstrow um Opfer häuslicher Gewalt kümmert und die Anti-Gewalt-Woche organisiert, ist sich sicher: "Die Ausstellung ist notwendig. Güstrow ist reif dafür." Sie hofft, dass vor allem auch Schulklassen die Schau besuchen.

Während der Ausstellung findet am 13. Oktober um 15 Uhr ein Benefizkonzert des Landespolizeiorchesters im Festsaal der Verwaltungsfachhochschule für Aktionen gegen häusliche Gewalt statt. Am 26. Oktober kommen hier Experten zur 5. Kinderschutzkonferenz zusammen.

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