Schock nach Laage-Bericht

Der finanzielle Sinkflug des Flughafens Rostock-Laage wird die Hansestadt wahrscheinlich etwa 460 000 Euro zusätzlich kosten. Während in Rostock noch niemand offen über das Millionenloch redet, beschäftigt sich Güstrow, der zweite große Eigner, im Kreistag mit den Zahlen.

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30. September 2008, 06:36 Uhr

Rostock - Die Wortspiele zwängen sich förmlich auf: Flughafen in schweren Turbulenzen, Rostock-Laage im Sinkflug. Die betriebswirtschaftlichen Kennziffern für dieses Jahr bestätigen allerdings die bildhaften Umschreibungen nur zu genau. Denn nach den Zahlen, die der Redaktion vorliegen, geht die Flughafengesellschaft schweren Zeiten entgegen. Der Jahresverlust wird auf 2,6 Millionen Euro beziffert – ursprünglich war „nur“ ein Minus von 830 000 Euro vorgesehen.

Die Beträge will Jochen Bruhn, Geschäftsführer der Rostocker Versorgungs- und Verkehrsholding (RVV), die für die Stadt 54,1 Prozent am Flughafen hält, zwar nicht bestätigen. Die Situation sei gleichwohl schwierig. „Ich gehe davon aus, dass die Gesellschafteranteile höher ausfallen werden, als geplant.“ Mit anderen Worten: Rostock, der Landkreis Güstrow und die Stadt Laage werden tiefer in die Tasche greifen müssen, damit der Flughafen nicht pleite geht. Wie viel, das könne erst Mitte Oktober genau beziffert werden, sagt Bruhn. Im Landkreis Güstrow, das mit 35,5 Prozent der zweite große Eigentümer ist, wird allerdings schon mit sehr konkreten Zahlen gearbeitet.

Am 8. Oktober entscheiden die Abgeordneten, ob sie die Schatulle des Landkreises für eine Finanzspritze öffnen wollen. Demnach planen die Gesellschafter dem Flughafen mit einer „Liquiditätshilfe“ bis zum 31. Dezember in Höhe von maximal 850 000 Euro aus dem Gröbsten zu helfen. Güstrow soll 303 000 Euro beisteuern. Für Rostock hieße das entsprechend des Aktienpakets einen Zuschuss von 460 000 Euro, der über die RVV ausgereicht wird. Dass diese Liquiditätsspritze vom Airport zurückgezahlt wird, daran glaubt niemand.

Allein in den vergangenen sechs Jahren musste Rostock zu einem großen Teil die Verluste von rund 5,5 Millionen Euro auffangen. Und in diesem Jahr kommt es nun noch dicker. Unter anderem wegen einer neuen EU-Feuerwehrregelung, die einer ersten Schätzung nach mit 700 000 Euro mehr zu Buche schlägt. Aber auch durch den Ausstieg von Air Berlin und der ostfriesischen OLT sind weitere Verluste für 2008 zu erwarten, die auch die neue Fluggesellschaft Ryanair nicht kompensieren kann.

Den Rostocker Haushalt wird das Millionenloch in Laage zunächst nicht direkt betreffen. Nach Angaben von Bruhn werden die Mehrkosten zumindest in diesem Jahr innerhalb der Dachholding, in der unter anderem auch die Rostocker Stadtwerke integriert sind, ausgeglichen. Im Klartext: Andere kommunale Gesellschaften kommen für das Minus im Flughafen auf. Bei den 460 000 Euro wird es aller Voraussicht nach nicht bleiben. Denn der Liquiditätszuschuss ist das eine. Das andere ist der Verlust, der noch genau ermittelt werden muss. Auch für den muss Rostock in Höhe von 54,1 Prozent geradestehen.

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