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14. Dezember 2017 | 23:43 Uhr

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erstellt am 11.Mai.2010 | 08:54 Uhr

Kläden | "Hier brütet ein Schleiereulenpärchen", sagt Heinz Kriesel, Leiter der Naturkundlichen Station Kläden e.V. und hebt den Deckel eines der Holzverschläge vorsichtig an. Zum Vorschein kommen zwei eng aneinander gekuschelte Schleiereulen, die in das ungewohnt helle Licht blinzeln. Eine der Eulen erhebt sich aufgeregt von ihrem Gelege und flüchtet in das anliegende Häuschen. Es erscheinen einige Eier und zwei kleine, erst spärlich befiederte Kücken.

"Das ist etwas ganz Besonderes, sowas sieht man höchstens einmal im Leben", sagt der Zoologe aus dem kleinen Dorf Kläden. Dann schließt er sorgfältig den Deckel des Kasten damit die Tiere sich von dem ungewohnten Besuch erholen können. "Die beiden Schleiereulen sind flugbehindert, nach einem Verkehrsunfall konnten wir ihre Flugfähigkeit nicht mehr wieder herstellen." Dennoch scheinen sie sich in der Tierauffangstation sehr wohl zu fühlen, was ihr erfolgreiches Ausbrüten bestätigt.

Und auch die Fütterung der Wappentiere des Vereins Paul und Paula, eines jungen Waschbärenpaares, gerade fünf Wochen alt, ist ein Erlebnis für sich. Es rumort kräftig in der großen Kiste bevor Heinz Kriesel die Decke hebt und einen der Kleinbären auf den Arm nimmt um ihn mit einer Nuckelflasche zu füttern. "Unsere Nahrungskomponenten sind aber streng geheim, die verrate ich nicht", sagt der 66-jährige schmunzelnd. Ganze 95 Prozent der Tiere in seiner Obhut, wenn sie unverletzt sind, können erfolgreich aufgezogen werden. Das spricht für sich.

Auch den kleinen Heidschnucken Bock "Schnucki", den die Tierstation im zarten Alter von drei Tagen bei sich aufnahm, füttert der Zoologe liebevoll mit der Flasche. "Ein Problem bei der Aufzucht kann der Wechsel von der Muttermilch zur Ersatznahrung sein", berichtet der Rentner. "Man muss genau wissen, was die Tiere vertragen damit es zu keinen Komplikationen kommt."

Neben Schnucki und den quirligen Waschbären hat der Verein viele weitere Tiere in seine Obhut genommen. Die meisten der Wildtiere in Kläden wurden von jemandem gefunden oder von Naturschutzbehörden der Obhut des Vereins überstellt. Oft sind sie Unfallopfer wie die Schleiereulen. "Wir werden dann informiert und päppeln sie auf, soweit bis sie langsam wieder in die freie Wildbahn eingegliedert werden können", sagt der Zoologe.

Die Station ist übrigens die einzige in Mecklenburg-Vorpommern, die in der Lage ist, sich unverzüglich auf jede heimische Tierart einzustellen. So konnten auch drei Storche dort überwintern, zwei kamen aus Grabow zu Heinz Kriesel, einer wurde von der Naturschutzverwaltung aus Brandenburg zur Tierauffangstation überstellt. "Er hatte nur noch knapp ein Drittel seines normalen Körpergewichtes als wir ihn aufnahmen", erzählt der ehrenamtlich arbeitende Rentner.

Die hohe Erfolgsquote bei der Auswilderung der Tiere spricht für die Arbeit des Vereins: 85 bis 90 Prozent der Tiere lassen sich problemlos wieder Auswildern. Der Erfolg ist vor allem so groß weil eine Auswilderung direkt vom Standpunkt aus betrieben werden kann. Sie ermöglicht den Tieren so ein langsames Einfinden in ihren Lebensraum und die Jagdgewohnheiten, berichtet Kriesel.

Zwischen den Käfigen des Geländes der Naturkundlichen Station laufen viele Japanische Seidenhühner aufgeregt hin und her.

"Die halten wir damit sie für uns brüten, obwohl sie natürlich keine Wildtiere aus der Gegend sind. Im Moment brüten sie unsere Fasaneneier aus.", erklärt der Klädener Zoologe. "Die müssten heute noch schlüpfen." Neben den Seidenhühnern leben unterschiedliche Arten von Gänsen und Enten in dem Gehege. Die Rostgänse und Brautenten sind aus der Zucht für die zoologische Aufstockung, die der Verein neben seiner Arbeit mit der Fürsorge um die aufgefundenen Wildtiere betreibt.

Dann ist da plötzlich, mitten auf der Wiese ein prächtiger Graureiher. Er steht stocksteif auf einem Bein und guckt neugierig um sich. "Ach, das ist unser Freund Uwe", sagt Heinz Kriesel. "Er wurde als geschwächtes Jungtier eingeliefert und wir haben ihn aufgepäppelt, dann war er eines Tages weg und wir haben ihn als Ausgewildert eingetragen. " Pünktlich zum ersten Januar diesen Jahres stand Uwe jedoch wieder bei den Kriesels auf dem Hof. "Er hatte Hunger. Und von diesem Tag an ist er einfach bei uns geblieben."

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