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Plau am See : Schmuckstück am Burgplatz

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Nicht jedes Navigationsgerät kennt diese Adresse: Burgplatz 3 – das Haus ist offenbar zu neu. Horst-Werner Frommer und die Gebrüder Andrees ließen es mit großem Einsatz sanieren. Es war Liebe auf den ersten Blick.

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erstellt am 29.Dez.2011 | 10:15 Uhr

Nicht jedes Navigationsgerät im Auto kennt diese Adresse in Plau am See: Burgplatz 3 - das Haus ist offenbar zu neu. "Seine Lage an den Wallanlagen mit Blick auf die Plauer Burg ist einmalig", schwärmt Horst-Werner Frommer. Es war Liebe auf den ersten Blick. Der pensionierte Ingenieur, der in seinem Berufsleben für die Sicherheit auf Bohrplattformen eines großen amerikanischen Konzerns von Deutschland bis nach Sibirien verantwortlich war, und die Gebrüder Stefan und Thomas Andrees, ihres Zeichens Architekt und Bauingenieur, gründeten eigens eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, um sich ihren Traum zu erfüllen. "Was wir 2005 hier vorfanden, kam einer Ruine gleich", erinnert sich Frommer. Fußbodendielen waren als Brennholz verheizt, Türen gestohlen worden. Zwei Jahre hat die Sanierung des Hauses gedauert, das vorwiegend aus Fachwerk besteht. "Das Ständerwerk war zu 75 Prozent kaputt, sogar das Mauerwerk war vom Hausschwamm befallen." Durch einen glücklichen Zufall wurden die Bauherren im Wendland fündig: Von dort her kamen für das Fachwerk abgelagerte Ersatzbalken aus solider Eiche. "Wir haben außerdem alle Gefache erneuert", verdeutlicht Frommer den Sanierungsaufwand. Auch die Decke hatte gelitten: Zu den Außenwänden hin hatten sich die Balken nach beiden Seiten um bis 30 Zentimeter abgesenkt, ihre Köpfe waren vermodert. "Wir haben neue Balkenköpfe angeflanscht und die Decke wieder angehoben." Frommer schätzt das Baujahr des Hauses auf 1786. Irgendwann seitdem müsse ein Feuer gewütet haben, "denn die Rückwand besteht aus Mauerwerk". Von Hausschwamm befallen, musste auch hier durchgreifend saniert werden. Die Baugerüste waren anfangs nicht am Haus zu verankern, weil es noch zu instabil war und mussten deshalb freitragend aufgestellt sein. Frommer: "Es gab Zeiten, da war wöchentlich zweimal ein Statiker vor Ort."

Mit großem Aufwand versuchten die Sanierer, den Spagat zwischen denkmalgeschütztem Haus und modernen Wohnansprüchen zu verwirklichen. Türen wurden entweder aufgearbeitet oder originalgetreu nachgebaut. Damit keine Heizkörper stören, wurde die Heizung in die Fußböden eingebaut. Ihre Energie bezieht sie aus einer Wärmepumpe, für die sechs Brunnen jeweils hundert Meter in die Erde gebohrt wurden. Dort misst es 4,4 Grad. Die Wärmepumpe nutzt das Temperaturgefälle, um die Fußbodenheizung mit einer Vorlauftemperatur von etwa 35 Grad zu versorgen. "Die Mieter sind dadurch von steigenden Energiekosten für Gas oder Öl entlastet." Insgesamt haben die Sanierer rund 700 000 Euro investiert. Darin sind Fördermittel, Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau, der Städtebauförderung und des Denkmalschutzes enthalten. "Für sämtliche Arbeiten haben wir Firmen und Handwerker aus Plau oder der Region beauftragt."

Das Haus hat laut Frommer eine Nutzfläche von etwa 600 Quadratmetern. Das Erdgeschoss beherbergt eine Wohnung und eine Gewerbefläche. Dort eröffnen am 7. Januar die beiden Physiotherapeutinnen Silke Humboldt und Katrin Marusch ihr Yoga-Studio. Das Obergeschoss ist komplett durch ein Anwaltsbüro belegt. Unter dem Dach gibt es noch zwei Mietwohnungen.

Horst-Werner Frommer ist von ganzem Herzen Plauer Bürger geworden. Er stammt aus Hannover und kam vor Jahren anfangs nur zum Segeln in die Seestadt, legte sich erst eine Ferienwohnung und danach ein Haus zu.

Inzwischen ist er im Ruhestand, als stellvertretender Vorsitzender im CDU-Regionalverband aktiv, zählt beim Amt Plau zu den Ausschussmitgliedern für Tourismus und Wirtschaft und hat den Vorsitzen des Plauer Seglervereins inne. "Ich bin angekommen."

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