Schlossquell friert Investitionen ein

Die Mineralquellen Wüllner hatte Güstrower Schlossquell vergangenes Jahr gekauft und Investitionen in Millionenhöhe angekündigt. Doch die komplexe Marktsituation verhindert im Moment eine Erweiterung des Standortes und der Produktion. Foto: Jens Griesbach
Die Mineralquellen Wüllner hatte Güstrower Schlossquell vergangenes Jahr gekauft und Investitionen in Millionenhöhe angekündigt. Doch die komplexe Marktsituation verhindert im Moment eine Erweiterung des Standortes und der Produktion. Foto: Jens Griesbach

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12. August 2008, 08:56 Uhr

Güstrow - Dennoch will Schlossquell-Geschäftsführer Wilm Othmer nicht von einer Krise sprechen. „Die angekündigten Investitionen sind nicht ad acta gelegt, sondern nur zurückgestellt“, sagt der 64-Jährige.

„Aber durch die derzeitige Marktsituation sind wir der Möglichkeit beraubt worden, zusätzliche Millionen zu investieren.“ Es gäbe eine eindeutige Verschiebung zu Gunsten von Billigstherstellern. Doch Othmer ist optimistisch: „Gleichzeitig ist deutlich zu erkennen, dass viele Kunden wieder höhere Qualität bevorzugen.“

Kurz nach der Übernahme durch die Mineralquellen Wüllner GmbH waren die Ziele von Güstrower Schlossquell hoch gesteckt worden. Sogar die Marktführerschaft im Nordosten wurde angestrebt. Die jährliche Abfüllmenge sollte von 40 auf 80 Millionen verdoppelt werden.

Doch bis jetzt konnte Schlossquell die Abfüllungen nicht nennenswert steigern, um die geplanten Investitionen finanzieren zu können. Dem Trend „billig, billig, billig“ will Wilm Othmer nicht folgen. „Wir sind kein Hersteller, der zum Selbstkostenpreis produziert“, sagt er. „Lieber weniger, aber bezahlte Füllungen, als viele ohne Kostendeckung“, fasst Othmer die Firmenphilosophie zusammen und grenzt sich klar von den Billigherstellern ab.

Doch nicht nur Schlossquell ist von dieser Marktsituation betroffen, sondern auch der größte Konkurrent im Nordosten: Glashäger. Alle Getränkehersteller in Deutschland hätten mit den gleichen Problemen zu kämpfen, so Othmer. Das komme immer wieder mal vor. Er glaubt, dass sich die Situation für die Markenhersteller wieder verbessern wird.

Doch wann diese Trendwende kommt, ist fraglich. Die Position eines Unternehmens könne auf diesem dynamischen Markt nicht für die kommenden zwölf Monate verbindlich vorausgesagt werden. Das Ziel, Marktführer im Nordosten der Republik zu werden, habe Schlossquell aber auf keinen Fall aufgegeben, unterstreicht Othmer.

Weiterhin drücken den Güstrower Mineralwasserhersteller die derzeitigen Teuerungsraten bei den Rohstoffen. „Das kann ich nicht an die Kunden weitergeben“, sagt Othmer. „Sonst wird die Diskrepanz zwischen den Discountern und den Markenherstellern noch größer.“

Ende des Jahres Wechsel an Führungsspitze
Trotz der Schwierigkeiten wurde im vergangenen Jahr aber auch bei Güstrower Schlossquell investiert, wenn auch maßvoll. So ist eine neue Vollguthalle mit zwei Erweiterungsstufen entstanden, die dritte Stufe steht noch aus. Zudem wurde die Technik im Betrieb erweitert und modernisiert. Tatsachen, die Othmer positiv in die Zukunft blicken lassen.

Doch für den 64-Jährigen ist Ende des Jahres Schluss. Im Dezember läuft sein Vertrag aus und er geht in den Ruhestand. 17 Jahre war Wilm Othmer dann Geschäftsführer der Güstrower Schlossquell, hat das Unternehmen nahezu allein aufgebaut und zum Erfolg geführt. Die Nachfolge ist bereits geregelt. Der neue Betriebsleiter soll nicht aus dem Bielefelder Mutterkonzern Wüllner, sondern aus Mecklenburg kommen, sagt Othmer.

Obwohl dem 64-Jährigen das Unternehmen sehr ans Herz gewachsen sei, habe er keine Emotionen, aus dem Berufsleben auszusteigen. „Das ist eine natürliche Angelegenheit“, so Othmer. Er bleibe in Güstrow und werde Schlossquell auch weiterhin zur Verfügung stehen, falls es gewünscht sei.


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