Winterreifen-Pflicht : Schlangestehen für Wechsel-Pneus

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Die Entscheidung zur Winterreifen-Pflicht wurde auf den 26. November vertagt. Geht sie durch, wird bei Nicht-Aufziehen ein Bußgeld von 40 Euro fällig. Laut Experten droht nun Schlangestehen für Wechsel-Pneus.

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05. November 2010, 07:38 Uhr

Schwerin | Hängepartie beim Thema Winterreifen-Pflicht: Der Bundesrat hat seine Entscheidung gestern auf den 26. November verschoben. Findet sich eine Mehrheit, tritt die Verordnung dann am 27. November sofort in Kraft. Sie sieht unter anderem die Verdopplung der Bußgelder auf 40 Euro vor. Probleme könnte es nach der neuen Gesetzeslage auch mit Versicherungen bei der Schadensregulierung geben, wenn mit Sommerreifen ein Unfall verursacht wurde. Experten prophezeien einen Ansturm auf Winterreifen in Schwerin.

"Winterreifen werden dann heiß begehrt sein", sagt Michael Ahrenbeck, Obermeister der Kfz-Innung der Region Schwerin. Aber auch in diesen Tagen haben die 35 Betriebe der Kfz-Innung der Region schon alle Hände voll zu tun. Bereits jetzt gebe es Neureifen bestimmter Fabrikate teilweise nicht mehr. Die Wartezeiten für einen Werkstatt-Termin lägen bei etwa einer Woche. Das sei auch ein Ergebnis des vergangenen Winters, der viele Autofahrer zum rechtzeitigen Reifenwechsel getrieben hat.

Michael Ahrenbeck weist auf das Risiko einer Fahrt mit Sommerreifen bei Glätte hin: "Ein Auto hat nur vier Punkte, die es mit der Straße verbinden, und das sind die vier Räder. Wer keine Winterreifen hat, sollte das Auto bei Frost und Glätte stehen lassen." Er habe auch Kunden, die zu spät bedauerten, keine Winterreifen aufgezogen zu haben. Ahrenbeck: "Mancher wird erst durch Schaden klug, vor allem wenn die Versicherung nicht zahlt."

Der Winterreifen führe bereits bei Temperaturen unter sieben Grad zu mehr Sicherheit und sinkendem Kraftstoffverbrauch. "Wer bei den in Kürze zu erwartenden Frostgraden noch auf Sommerreifen unterwegs ist, gefährdet sich und andere. Im Ernstfall sind die Bremswege erheblich länger", sagt der Fachmann.

Mit einem großen Ansturm und langen Wartezeiten bei Werkstätten und Händlern rechnet auch der ADAC. Laut einer Stichprobe des Clubs bei 50 Betrieben kostet der Wechsel von vier Reifen zwischen 12 und 42 Euro.

Dass sich der Bundesrat so lange Zeit gelassen hat, bis er das Thema jetzt endlich auf die Tagesordnung gesetzt hat, ist für viele Autofahrer unverständlich. Eigentlich sollte die Verordnung bereits Mitte Oktober kommen. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts emnid waren fast neun von zehn Bundesbürgern für die Pläne der Bundesregierung, Autofahrer, die bei Eis und Schnee ohne Winterreifen unterwegs sind, härter zu bestrafen. 87 Prozent hielten die Verdoppelung des Bußgeldes für sinnvoll. Der Auto Club Europa wertet die Verdopplung als "gerechtfertigt" und fordert schärfere Kontrollen vor allem bei Bus und Lkw.

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