Schlacht der Klimapiraten

<fettakgl>Mission Klima:</fettakgl> Astrid Golz, Alexander Steinhart und Nils Moellmann  (von links)  wollen mit dem Segelschiff 'Lovis' zum Weltklimagipfel nach Kopenhagen reisen.
Mission Klima: Astrid Golz, Alexander Steinhart und Nils Moellmann (von links) wollen mit dem Segelschiff "Lovis" zum Weltklimagipfel nach Kopenhagen reisen.

svz.de von
10. November 2009, 09:35 Uhr

Greifswald | In den Kajüten des Großseglers "Lovis" im Greifswalder Museumshafen wälzen sich zur Morgendämmerung die ersten Passagiere aus ihren Kojen. In der Mannschaftsmesse bereiten Astrid Goltz, Fritz Schadow und Alexander Steinhart das Frühstück vor. Kapitän York Haase checkt mit Nils Möllmann den Segelplan. Eine Stunde steuert der Zweimaster durch die Wiecker Klappbrücke auf den Bodden zur Trainingsfahrt für den großen Törn in einem Monat zum Umweltgipfel nach Kopenhagen.

Nils, Astrid, Fritz und Alexander sind Klimapiraten. Sie gehören einem offenen Netzwerk junger Umweltschützer an, die sich mit Nachdruck und Ideen für einen weltweiten Wechsel in der Umweltpolitik engagieren. Auf dem Weg dorthin sei Kopenhagen ein ganz wichtiger Meilenstein, sagt Astrid. "Wir wollen den Konferenzteilnehmern klarmachen, dass sie sich jetzt endlich einigen und auch finanzielle Zusagen für Umweltprojekte in ärmeren Ländern vereinbaren müssen."

Mit mehr als 20 Gleichgesinnten aus ganz Deutschland legt das Quartett am 5. Dezember nach Dänemark ab an Bord der 37 Meter langen "Lovis", einem früheren Lotsen- und Wohnschiff, das vor neun Jahren zu einem Logger für Bildungstörns umgebaut wurde. Ihnen soll sich in Stralsund die Crew der Galeasse "Petrine" anschließen. Auch in Flensburg, Schweden und Finnland kündigten Umweltschützer, Greenpeace- und BUND-Aktivisten an, nach Kopenhagen zu reisen.

Schon zum Abschied in Mecklenburg-Vorpommern wollen die Klimapiraten mit einem spektakulären Leinen-los-Manöver auf die Mission aufmerksam machen. In der dänischen Hauptstadt sind gemeinsame Schiffsparaden vorgesehen. "Wir werden Beobachter zu den Verhandlungen entsenden. Und während die Staatsoberhäupter und Klimaexperten um Finanzen und Senkungsquoten für Treibhausgase feilschen, werden wir uns in den Straßen von Kopenhagen an einer großen symbolischen Flutkette aus Menschen beteiligen", sagt Astrid.

Zudem will die Crew in Kopenhagen der Zentrale von Dong Energy einen Besuch abstatten. Den Managern des dänischen Energiekonzerns sollen Schreiben und Unterschriftslisten aus Vorpommern überreicht werden, in dem Dong unmissverständlich aufgefordert wird, endlich vom Bau des Steinkohlekraftwerks abzulassen. "Statt Kohle sollte Dong Energy auch in Deutschland auf erneuerbare Energie setzen, dann ist das Unternehmen hier willkommen", sagt Nils Möllmann, der in Greifswald als Biologe arbeitet.

Bis die "Lovis" zur Klimagipfel-Mission startet, haben die Aktivisten noch viel vorzubereiten. So wollen sie die mehr als 400 Quadratmeter großen Segel des Schiffs mit einem riesigen Werbebanner für klimafreundliche Projekte schmücken. "Wir wollen den Politikern in Kopenhagen klar machen, dass sich die Welt nicht mit Absichtserklärungen zufrieden geben wird", mahnt Nils. An gewalttätigen Aktionen werde man sich auf keinen Fall beteiligen. "Doch im politischen Sinne haben wir Klimapiraten in Kopenhagen eine wichtige Schlacht zu schlagen!"

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