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23. August 2017 | 02:40 Uhr

Schimpansin zerbricht am Schmerz

vom

Gartenstadt | Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden. Nach zwei Wochen Einsamkeit und Trauer um ihren verstorbenen Gefährten Timbo, hat Schimpansen-Dame Nana ihren Lebensmut verloren. Eine schwere Arthrose-Erkrankung nahm ihr dann die letzte Kraft. So blieb den Mitarbeitern des Rostocker Zoos gestern keine andere Wahl, als Nana von ihrem unerträglichen Leid zu erlösen.

"Wir haben damit gerechnet", sagt Zoodirektor Udo Nagel. Nachdem Timbo vor zwei Wochen eingeschläfert werden musste, ging es für Nana steil bergab. "Sie nahm keine Nahrung mehr zu sich", sagt Nagel, der die Schimpansen-Dame über viele Jahre begleitet hat. Am Ende hatte sie nur noch die Hälfte ihres eigentlichen Körpergewichts. "An ihrem letzten Tag brachte Nana 23 Kilogramm auf die Waage", sagt der Zoodirektor. So war es für die Mitarbeiter des Tierparks unmöglich, ihre chronische Arthrose zu behandeln, da sie die Medikamente ausschließlich über die Nahrung aufnahm. Bereits vor sieben Jahren hatten Tier- und Humanärzte die Gelenkerkrankung bei der in die Jahre gekommenen Schimpansin festgestellt. In den vergangenen Monaten verschlechterte sich ihr gesundheitlicher Zustand immer mehr. Sie bewegte sich kaum noch. "Wir mussten Nana nun einschläfern, weil sie sonst jämmerlich verhungert wäre", sagt Nagel. "Das wollten wir ihr ersparen."

Hoffnung auf Nachwuchs bleibt unerfüllt

Das Affen-Weibchen kam 1964 im afrikanischen Guinea in Freiheit zur Welt. Als einjähriges Schimpansenkind trat sie dann in einer Holzkiste den langen Weg zur Ostseeküste an. Im Rostocker Zoo angekommen wartete bereits der wilde Jungspund Timbo auf seine kleine Gehegepartnerin. Nach ersten Annäherungsversuchen des launischen Affen-Männchens lernten sich die beiden über die Jahre lieben. Für Nachwuchs haben sie jedoch nie gesorgt. Timbo kümmerte sich liebevoll um seine zurückhaltende Freundin. Wegen ihrer gelassenen und sanftmütigen Art war Nana auch bei den Tierpflegern sehr beliebt. Nach mehr als 40 Jahren fällt es ihnen nicht leicht, Abschied zu nehmen.

Der Tod der beiden betagten Affen ist für Zoodirektor Nagel ein harter Schlag: "Wir hatten für sie im künftigen Darwineum einen Altersruhesitz eingeplant." Nun wird es nach ihrem Tod auch in Zukunft keine Schimpansen mehr im Rostocker Zoo geben. Das Gehege in dem neuen Affenhaus, das voraussichtlich 2012 eröffnet, werde dann entweder von den Gorillas oder von Meerkatzen genutzt, so Nagel. Eine Gruppe von Schimpansen würde es nur dann wieder geben, wenn der Zoo die dafür erforderlichen Tierschutzbestimmungen erfüllen könnte. Für eine große Horde aus mindestens fünf bis zwölf Menschenaffen sei weder Geld noch Platz vorhanden. "Der Alterssitz war ausschließlich für Timbo und Nana bestimmt", sagt der zutiefst betroffene Direktor. Was ihm bleibt, ist der Blick nach vorn. "Wir wollen den übrigen Menschenaffen im Darwineum ein neues Zuhause bieten", sagt er. Dort bekommen Gorilla-Mann Assumbo, Orang-Utan-Kind Sabas und seine Schwester Shiwa sowie ihre Eltern Sunda und Ejde eine 6000 Quadratmeter große Fläche mit Außenbereich, die ihnen ein neues Lebensgefühl geben soll. "Die Gruppen wollen wir dann auf eine entsprechende Hordenzahl vergrößern", sagt Nagel, der gleichzeitig auf natürlichen Nachwuchs in der Gruppe hofft.

Die Schimpansen Nana und Timbo werden dieses Affenglück nicht mehr erleben können. Mehr als 40 Jahre verbrachte das Menschenaffenpaar in trauter Zweisamkeit im Zoo der Hansestadt, bis sie das Schicksal auseinander riss. Nach zweiwöchiger Trennung und Einsamkeit sind die beiden nun wieder vereint.

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erstellt am 03.Sep.2010 | 07:27 Uhr

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