Schiffbauindustrie geht das Geld aus

Noch sind die Auftragsbücher der Werften voll: Die Finanzierung von neuen Aufträgen ist aber unsicher.
Noch sind die Auftragsbücher der Werften voll: Die Finanzierung von neuen Aufträgen ist aber unsicher.

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19. November 2008, 07:56 Uhr

Rostock | Die internationale Finanzkrise hat die deutsche Schiffbauindus trie erreicht. Vor allem die Finanzierungssituation für den Bau und Betrieb neuer Schiffe habe sich inzwischen deutlich verschlechtert, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) gestern auf einer Konferenz zur Zukunft der maritimen Wirtschaft in Rostock. Wie wir berichteten wurden in einigen Werften bereits Neubauaufträge zurückgezogen.

Seidel mahnte bei den Geschäftsbanken ein stärkeres Engagement im Schiffbau an. Der Bedarf an Zwischenfinanzierungen der deutschen Werften werde einer Studie zufolge im kommenden Jahr auf 1,1 Milliarden Euro steigen. Allerdings seien nur noch wenige Banken bereit, Schiffsfinanzierungen zu übernehmen. Zudem würden Banken die zu übernehmenden Risiken im Schiffbau mit zusätzlichen Aufschlägen belegen. Notwendig seien daher neue Finanzierungsmodelle für Werften und Reedereien. Auch Sparkassen sollten ein Engagement im Schiffbau prüfen.

Standortkonzepte für Häfen Rostock und SassnitzNach Angaben des Bundestagsabgeordneten Eckhardt Rehberg (CDU) könnten Werften auch das neue Rettungsprogramm des Bundes von 15 Milliarden Euro über die KfW-Bank in Anspruch nehmen. Zusammen mit dem von der OECD festgelegten Zinsaus gleichssystem für Schiffsfinanzierungen und Hermes-Bürgschaften könne der Bund für bis zu 95 Prozent der benötigten Kredite für Schiffsneubauten bürgen. Zudem werde die Bundesregierung bei Banken, die sich unter den 400-Milliarden-Rettungschirm des Bundes begeben, auf ein verstärktes Engagement in der maritimen Wirtschaft drängen.

Unterdessen forderte Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD), den Logistikstandort Mecklenburg-Vorpommern weiter auszubauen. "Mecklenburg-Vorpommern ist mit seiner geografisch exzellenten Lage der Brückenkopf nach Osten und Norden", sagte er in Rostock. Um der Industrie und Logistikwirtschaft Raum für Expansion und Ansiedlungen zu geben, müssten weitere Flächen vorbereitet werden. Schlotmann zufolge werden derzeit Konzepte für die Gewerbe- und Industrieflächen im Umfeld der Häfen Rostock, Sassnitz und Vierow (Ostvorpommern) bis zum Jahr 2025 erarbeitet. Für die Häfen Wismar, Stralsund und Lubmin sollen 2009 analoge Studien angeschoben werden. Zudem kündigte er die Fertigstellung der Vertiefung des Peenestroms nach Wolgast für 2009 an. Geplant seien ferner die Vertiefung der Fahrrinne in der Wismarbucht. Für große Massengutfrachter soll die Zufahrt nach Rostock auf 16 Meter Tiefe ausgebaut werden.

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