Schelfeis hängt am seidenen Faden

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27. März 2008, 08:12 Uhr

Washington - In der Antarktis ist ein gigantischer Eisberg aus dem Schelfeis gebrochen. Er habe eine Größe von 41 mal 2,5 Kilometern, teilte das US-Eis- und Schneedatenzentrum (NSIDC) in Boulder mit. Das Stück habe sich bereits am 28. Februar gelöst. Dadurch sei eine Eisfläche von 405 Quadratkilometern auseinandergebrochen. Damit hat sich insgesamt Eis von rund 500 Quadratkilometern, etwa der doppelten Fläche der Stadt Frankfurt/Main, abgelöst.

Die Forscher machen den Klimawandel für den raschen Zerfall des Eisschildes verantwortlich. In den vergangenen 50 Jahren sei in der Region mit durchschnittlich einem halben Grad Celsius pro Jahrzehnt der stärkste Temperaturanstieg weltweit verzeichnet worden. „Wir glauben, dass das Wilkins-Schelfeis schon seit mindestens ein paar hundert Jahren dort war. Aber warme Luft und die Einwirkung der Meeresbrandung verursachen ein Abbrechen“, sagte der führende NSIDC-Wissenschaftler Ted Scambos. Das Wilkins-Schelfeis liegt rund 1000 Kilometer vor der Südspitze Südamerikas an der südwestlichen antarktischen Halbinsel.

Nur ein dünner Streifen intakten Eises verhindere jetzt noch, dass es zu weiteren Abbrüchen an dem insgesamt mehr als 13 000 Quadratkilometer großen Eispanzer komme, berichtete das Datenzentrum. Schelfeis schwimmt auf dem Meer, ist aber fest mit dem Eis an Land verbunden.

Wissenschaftler studieren den Abbruch von Schelfeis besonders gründlich, weil dadurch beeinflusste Gletscher den Meeresspiegel steigen lassen könnten. „Im Fall des Wilkins-Schelfeises wird der Meeresspiegel nicht angehoben, weil es sowieso schon auf dem Ozean schwimmt“, so Scambos. In den nächsten Monaten sei außerdem kein weiteres Schmelzen mehr zu erwarten, da die Sommerperiode auf der Südhalbkugel vorbei sei. „Im kommenden Januar werden wir sehen, ob das Wilkins weiter auseinanderbricht“, so der Wissenschaftler.

Schmelzendes Eis in der Antarktis gefährdet nach Ansicht des deutschen Polarexperten Arved Fuchs auch den Bestand von Pinguinen und Walen. „Wale und Pinguine ernähren sich von Krill (Kleinkrebsen). Wenn das Eis schmilzt, gibt es weniger Algen, die unter dem Eis wachsen und damit auch weniger Krill“, sagte der Abenteurer und Buchautor, der ebenfalls zu den Referenten des Hamburger Extremwetter-Kongresses gehört.

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