Informationsveranstaltung zur geplanten Stallanlage : Scharbow: Broilermast teilt das Dorf

Gedränge im Zelt, Scharbow hatte leider keinen vernünftigen Raum für die Informationsveranstaltung zur geplanten Broilermastanlage zu bieten, die Stimmung war von Anfang an gereizt. Am Ende gab es bei aller Information viel Streit. Mayk Pohle
Gedränge im Zelt, Scharbow hatte leider keinen vernünftigen Raum für die Informationsveranstaltung zur geplanten Broilermastanlage zu bieten, die Stimmung war von Anfang an gereizt. Am Ende gab es bei aller Information viel Streit. Mayk Pohle

Geplante Broilermast: Zwar gelang die Weitergabe der Informationen, doch am Ende der Veranstaltung stritten die Gegner mit den Befürwortern und vor allem mit dem Investor Ingo Fischer immer wieder.

von
30. Mai 2011, 08:38 Uhr

Der Hagenower Ortsteil hat am Sonnabend eine denkwürdige Veranstaltung erlebt, im Zelt und beim Rattern eines Stromaggregates. Geplant war eine Informationsveranstaltung unter den Fittichen der Stadtverwaltung über die nahe des Dorfes geplante Broilermast. Zwar gelang die Weitergabe der Informationen, doch am Ende der mehr als zweistündigen Veranstaltung im viel zu kleinen Zelt stritten die Gegner mit den Befürwortern und vor allem mit dem Investor Ingo Fischer immer wieder. Es gab viel Grundsätzliches über Profite, über Gefahren über Tierquälerei. Fischer, zugleich Ortsteilvertreter und auch SPD-Stadtvertreter, hatte mit seinem Planer Dr. Wilfried Eckhof früh die Stimmung gegen sich. Die Gegner der für 126 000 Tiere geplanten Anlage hatten die Stimmungshoheit, die Befürworter und Zweifler agierten stiller.

Dennoch konnte der Planer Eckhof alle Details zur Anlage vorstellen und zusammen mit seinem Auftraggeber und Investor Fischer Fragen beantworten. Das Gerücht, es sei noch eine Biogasanlage geplant, konnte Fischer schnell entkräften. Gedacht ist vielmehr an einer Verbindungsleitung zur nahe gelegenen Anlage in Presek. Klar ist auch, dass die drei Ställe keine Filter haben werden. Da mochte Eckhof noch sehr auf die Gesetzeslage hinweisen, die nämlich in dieser Frage nichts vorschreibt, die Befürchtungen der Gegner aus Scharbow und Bobzin waren nicht aus dem Weg zu räumen. Das gilt noch viel mehr für die Befürchtungen, die zu erwartenden Lkw-Transporte würden der Bobziner Straße endgültig den Hals umdrehen. Auch hier verfing das Argument der Planer, es seien doch nur ganz wenige Fahrten pro Tag, nicht.

Bevor der Streit und die grundsätzlichen Auseinandersetzungen über abzuwertende Grundstücke, Geruchsbelastungen, Keime losbrachen konnten immerhin die Nachricht vermittelt werden, das die Abfälle aus den Stallanlagen nicht auf irgendwelche Felder gefahren werden sondern in die Biogasnalage kommen. Informiert wurde auch über den Stand des Verfahrens. Noch ist man in der Planung, es gibt noch keinen Antrag bei den Behörden. Dennoch machten der Planer mit seiner Mannschaft und auch der Investor klar den Eindruck, dass sie die Anlage sehr wohl für genehmigungsfähig halten.

Wie zerstritten das Dorf bei dieser Frage inzwischen ist, zeigte sich in der anschließenden Diskussion. Wer die Mehrheit hat ist nicht klar, denn der Investor ist kein Fremder sondern ein sehr anerkannter Landwirt und Nachbar. Fischer beklagte sich dann auch, dass die Anfeindungen inzwischen sehr ins Persönliche gingen. So habe man seine komplette Adresse auf einer Internet-Seite veröffentlicht, das könne er nicht mehr lustig finden.

Bürgermeisterin Gisela Schwarz hatte nicht nur eingeladen, sie wagte sich auch mutig in die Moderation. Aus Sicht vieler beging sie dabei den Fehler, sich zu sehr auf die Seite des Investors zu stellen.

Für die Gegner jedenfalls ist klar, dass ihr Widerstand weitergehen wird, sicherlich auch vor Gericht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen