Kommunen buttern Millionen zu : Schafweide bringt mehr als Flugbetrieb

Am Bedarf vorbei:  11 000 Passagier zählte der Flughafen Barth 2008. Es flossen aber Beihilfen von sechs Millionen Euro. dpa
Am Bedarf vorbei: 11 000 Passagier zählte der Flughafen Barth 2008. Es flossen aber Beihilfen von sechs Millionen Euro. dpa

Auf den Flughäfen in Mecklenburg-Vorpommern laufen die Finanzen völlig aus dem Ruder. Beispiel: der Landeplatz in Barth. Mit 6,7 Millionen Euro förderte das Land den Ausbau des Flughafens - offenbar am Bedarf vorbei.

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17. Dezember 2010, 08:59 Uhr

Auf den Flughäfen in Mecklenburg-Vorpommern laufen die Finanzen völlig aus dem Ruder. Krassestes Beispiel: der Landeplatz in Barth. Mit 6,7 Millionen Euro förderte das Land den Ausbau des Flughafens in den letzten Jahren - offenbar am Bedarf vorbei. Gerade 11 000 Passagiere nutzten den Platz im Jahr 2008. Flaute auf der Landebahn: Der Flugbetrieb sorgt für ein großes Minus in der Geschäftsbilanz. Einziges Plus des Flughafens sind die Erlöse aus der Verpachtung von Flugplatzflächen als Weide an eine Schäferei. "Hierdurch erwirtschaftete der Flughafen Barth höhere Erträge als durch den Flugbetrieb. Betrachtet man nur die Lande- und Abstell erlöse des Flughafens, beträgt der Verlustausgleich 2008 das 16-fache dieser Erlöse", ermittelte der Rechnungshof. Im Klartext: Die Schafe bringen 16 mal mehr mehr als die Flugzeuge.

Die Situation in Barth ist charakteristisch für die Lage der 27 (!) Landeplätze in MV: Alle arbeiten dauerhaft defizitär. Noch schlimmer: "Eine Besserung dieser Situation zeichnet sich nicht ab", schreiben die Prüfer. "Für die kommunalen Träger der Betreibergesellschaften stehen Aufwand und Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis zueinander...". Und der Steuerzahler muss bluten: Allein die Träger der Flugplätze in Laage, Neubrandenburg, Heringsdorf und Barth hatten 2008 Verluste von 3,65 Millionen Euro zu tragen. Und die Defizite steigen und steigen. Ohne Zuschüsse wären die Flugplätze längst im Konkursverfahren. In Laage standen 3,6 Millionen Euro Umsatz rund 2,5 Millionen Euro Verlust gegenüber. Der Verlustausgleich für die Gesellschafter ist immens: Waren es beim Flughafen Heringsdorf 2007 fast das Fünffache und 2008 das Doppelte der Umsatzerlöse, hatten die Gesellschafter des Flughafens Barth 2007 das Achtfache und 2008 das Fünffache der Umsatzerlöse zu leisten. Für den Rechnungshof sind Schließungen deshalb kein Tabu: Die dürften nicht "an den drohenden Rückforderungen von Fördermitteln scheitern". Darüber hinaus müssten "die finanziellen Mittel auf einen Flughafen konzentriert werden", sagte Schweißfurth. "Dafür kommt nur Rostock-Laage in Betracht."

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