Schadstoffe im Kinderwagen

Drei Jahre nach dem Test von Kinderwagen und Buggys hat die Stiftung Warentest erneut Kinderwagen unter die Lupe genommen - mit verheerenden Ergebnissen. Kein einziges Modell war frei von Schadstoffen, und kein Wagen kam über die Gesamtnote "befriedigend" hinaus.

von
27. August 2009, 09:50 Uhr

In den ersten Lebensmonaten verbringt ein Baby die meiste Zeit des Tages im Kinderwagen. Eltern zahlen oft mehr als 500 Euro für ein solches Gefährt, das in manchen Gegenden auch als Statussymbol gilt. Doch die Kinderwagen sind nach Meinung der Stiftung Warentest oft mangelhaft - und nicht nur das. Alle getesteten Modelle enthielten Schadstoffe, wie die Stiftung in der September-Ausgabe ihrer Zeitschrift "test" berichtet.

Für keinen der 14 getesteten Kinderwagen zu Preisen von rund 250 bis über 900 Euro gab es ein "gut" oder gar "sehr gut". Zehn schnitten sogar "mangelhaft" ab. Auch die kindgerechte Gestaltung - also zum Beispiel die Sitz- und Liegeeigenschaften - lassen zu wünschen übrig. Bei keinem Modell sind sie "gut".

Gleich in zehn Kinderwagen stecken so viele Schadstoffe, dass sie insgesamt "mangelhaft" abschneiden. Aber auch die vier anderen sind belastet. Die Tester fanden in den Griffen, Gurten, Bezügen und Regenhauben unter anderem kritische Phthalat-Weichmacher und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), mit denen die Babys und Kleinkinder direkt in Kontakt kommen - durch Greifen, Schweiß und Speichel. Diese können vom Körper aufgenommen werden und wirken teilweise krebserregend und fortpflanzungsgefährdend. Außerdem wurden die Tester bei der Suche nach weiteren Giften wie zum Beispiel problematischen Flammschutzmitteln oder Chlorparaffinen fündig. Keiner dieser Schadstoffe scheint aus technischer Sicht erforderlich. Für diese Annahme spricht, dass keiner der Schadstoffe in allen Kinderwagen gleichermaßen gefunden wurde. Die Stiftung Warentest kritisiert, dass einige der Stoffe bei Spielzeug, nicht aber bei Kinderwagen verboten sind. Bereits vor drei Jahren hatte die Stiftung bei einem Test von 15 Buggys und Kinderwagen in zwei Drittel der Wagen gefährliche Schadstoffe gefunden. Reagiert hat die Branche darauf offensichtlich nicht.

Schadstoffe sind aber nicht der einzige Kritikpunkt: Viele Hersteller schaffen es nicht, Kinderwagen kindgerecht zu gestalten. Die Tester fanden unter anderem zu kurze und zu schmale Tragetaschen für Säuglinge, zu kurze Rückenlehnen und zu lange Fußstützen sowie schmale Sitze und zu große Sitztiefen für Kleinkinder. Mit "befriedigend" noch relativ am besten schnitten die Modelle Bugaboo Cameleon (910 Euro), Teutonia Mistral S (550 Euro) sowie Zekiwa Alu-Cross (299 Euro) ab.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen