Sanieren auf eigene Faust?

Kritik wird erneut am Vertrag der Stadt Bützow mit dem Sanierungsträger laut. Argumente: zu teuer, zu wenig Nutzen. Pro Jahr kassierte die GOS rund 350000 Euro für ihre Dienste. Stadtvertreter fordern neue Wege in der Sanierung.

von
02. April 2008, 04:06 Uhr

Bützow - Wer weiß überhaupt, was die Gesellschaft für Ortsentwicklung und Stadterneuerung (GOS) wie für die Stadt tut? Wolfgang Wehrmann (fraktionslos) ist überzeugt, „dass viele aktuelle Stadtvertreter den Vertrag mit der GOS gar nicht kennen“.

320000 bis 370000 Euro bekam die GOS bisher pro Jahr, etwa zehn Prozent des Volumens für Stadtsanierung. 2002 hatte die Stadt auf Drängen der CDU den alten Vertrag novelliert. Kernpunkte: Die GOS ist maßgeblich für Vorbereitung und Umsetzung der Sanierung verantwortlich, verwaltet Häuser, hat dabei Spielraum zur Führung eines Sondervermögens, über das jährlich etwa drei bis vier Millionen Euro bewegt werden.

Wolfgang Wehrmann und die CDU fordern mehr Tranparenz und Ehrlichkeit im Umgang mit der Stadtsanierung. Nach 18 Jahren sei ein Strich zu ziehen. „Der Weg, den die Stadt gegangen ist, war falsch“, so Wehrmann. Sie hätte nach 1990 nie die etwa 90 Häuser übernehmen dürfen.

Mehr als 45 Millionen Euro hat Bützow seit 1991 in Sanierung investiert, größtenteils Fördermittel, weit mehr als vergleichbare Städte. Wehrmann unterstellt: „Das ist nicht zu sehen, viel Geld ist in Planungen verschwunden, die nie umgesetzt wurden.“ Er fordert: Auflösung des Vertrages mit der GOS, Aufhebung des Sanierungsgebietes, Übernahme der Aufgaben durch das Bauamt. Stattdessen sollte mehr Geld z.B. im sozialen Bereich eingesetzt werden. Seine Kritik an die Verwaltung: Die Information fließe zäh. „Es ist gewollt, dass Stadtvertreter nicht durchsehen.“

„Das sehe ich auch so“, sagt CDU-Fraktionschef Frank Schröder. Persönlich sei er für die Auflösung der GOS-Bindung. „Ich bin der Meinung, diese Aufgabe kann man mit ein, zwei qualifizierten Leuten in der Verwaltung genauso erledigen.“

„Verleugnen der Realität“Ganz anderer Meinung ist Ralf-Peter Katzer (UBB), Vorsitzender des Sanierungsausschusses: Die Stadt allein könnte Sanierung nicht in dieser Weise umsetzen. „Dazu bräuchte die Verwaltung viel mehr Leute.“ Den Vorstoß zum Vertrag mit dem Träger weist Katzer zurück: „Das ist ignorantes Verleugnen der Realität.“ Der Vertrag sei aus seiner Sicht transparent und mache Sinn. Die GOS habe der Stadt durch ihr Wissen viele Vorteile gebracht: viel Geld, viele Ideen. Katzer kontert: „Wenn es nach Herrn Wehrmann ginge, hätten wir alles abgerissen, wäre die Stadt jetzt platt.“ Er rät: Die Kritiker sollten sich lieber informieren, in Ausschüssen mitarbeiten, in denen das Thema ausführlich behandelt werde. Die Kontrolle der GOS sei gegeben; die Stadtvertreter müssten zu allen Maßnahmen der Sanierung einzelne Beschlüsse fassen.

Bürgermeister Lothar Stroppe (UBB) wirft den Kritikern eine „oberflächliche Diskussion“ vor, spricht offen von „Dummheit“, fordert konstruktive Mitarbeit. Er unterstellt: Wolfgang Wehrmann übersehe das komplexe Thema gar nicht. Seine Gegenfrage: Wie sollte Stadtsanierung funktionieren, wenn zwei Drittel der Summe – die von der GOS eingeholten Fördermittel – nicht da wären? Die Vergütung halte er für angemessen: „Jeder, der gute Arbeit macht, soll gut bezahlt werden.“ Eine Kündigung des Vertrages sei nur „aus wichtigen Gründen“ möglich. Diese müsste die Stadt erstmal finden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen