Salmonellen breiten sich aus

Die Zahl der Menschen mit Durchfall-Erkrankungen in Kuchelmiß ist auf 27 gestiegen. 17 liegen im Krankenhaus mit teilweise ernsten Beschwerden, darunter 13 Kinder. Jetzt ist es Gewissheit: Die Salmonellen kamen aus dem Knüppelkuchen, verzehrt nach dem Laternenfest der Kita.

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07. Oktober 2008, 10:33 Uhr

Kuchelmiß - Schockzustand herrscht gestern noch in Kuchelmiß. Dass viele Besucher eines kleinen Festes im Ort heute mit erheblichen gesundheitlichen Schäden im Krankenhaus liegen, können die Einwohner gar nicht fassen. Es geschah beim traditionellen Laternenfest von Kita und Feuerwehr: Nach dem fröhlichen Umzug durchs Dorf lauerte die Gefahr im Essen am Lagerfeuer.

Dolores Gernt ist ganz aufgelöst. Die Leiterin der Kita „Nebelstrolche“ hatte den Laternenumzug mit ihren Mitarbeiterinnen organisiert und auch den Teig für den Knüppelkuchen gemacht. Jetzt ist fast die Hälfte der Kita-Kinder krank, auch ihr eigenes. „Ich fahre jeden Tag ins Krankenhaus und besuche sie“, sagt Dolores Gernt und ringt um ihre Fassung. Auch mit allen Eltern habe sie gesprochen: „Es gibt keine persönlichen Vorwürfe.“

Die Ursache für die Beschwerden steht seit gestern fest: Salmonellen. Das hätten Stuhlproben ergeben, sagte Rainer Boldt, stellvertretender Landrat. Bis gestern sei die Zahl der Erkrankten gestiegen: auf 27. 17 Menschen seien so schwer mitgenommen, dass sie im Güstrower Krankenhaus stationär behandelt werden müssen. Darunter 13 Kinder. „Der Verlauf ist in manchen Fällen sehr schwer“, so Boldt. „Mehrere Leute hängen am Tropf.“ Er spricht von einer „hochgradigen Infektion“.
Durchfall und Erbrechen führen bei vielen zu einem großen Flüssigkeitsverlust, bestätigt Dr. Christiane Trapp, Leiterin der Güstrower Kinderklinik. Doch in keinem der Fälle sei die Lebensmittelvergiftung lebensgefährlich. Das erste Kind aus Kuchelmiß kam Freitag in die Klinik, das 13. und vorerst letzte gestern. „Wir haben aber noch mehr Kinder ambulant behandelt“, sagt die Kinderärztin.

Wie konnte es zu diesem Unglück in Kuchelmiß kommen? Bürgermeister Peter Hildebrandt, der gestern seine ebenfalls erkrankte Frau aus der Klinik abholen konnte, warnt vor Schuldzuweisungen. „Es ist eine Verkettung von schlimmen Umständen. Von den Betroffenen wird die Schuldfrage nicht gestellt“, so Hildebrandt. Die Frauen hätten den Knüppelteig sauber zubereitet und extra noch Eier von einem Bauernhof besorgt. Kita-Leiterin Gernt habe zudem sofort alles, was in ihrer Macht stand, veranlasst.
Für Rainer Boldt steht fest: Die gefährlichen Salmonellen-Bakterien kamen aus dem Knüppelbrot, das die Teilnehmer des Laternenumzugs auf dem Sportplatz am Feuer rösteten. Die Eier im Knüppelteig müssen die Keime übertragen haben. Ergebnisse der Lebensmittelproben werden heute erwartet.
Bürgermeister Hildebrandt hofft, dass alle aus der Gemeinde schnell wieder gesund werden. Er beruft noch diese Woche eine Hauptausschusssitzung ein, um über den Vorfall zu informieren und Gerüchten vorzubeugen. „Es wäre schade, wenn unser traditioneller Laternenumzug wegen dieses Vorfalls nie wieder stattfinden würde“, sagt er.

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