Kritzmow : Saisonstart völlig unklar

Sorgen bereitet Bernd Mehnert (rechts) und  Mario Bartusek nicht etwa der Zweitakt-Motor  (stammt von einem Jetski, seine 135 PS bringen das Boot bis auf 140 km/h, und er läuft mit handelsüblichem  Super plus, das man allerdings mit 800 ml Rennöl auf 20 Liter  mischen muss), sondern die finanzielle Situation. Der Saisonstart steht völlig in den Sternen. Peter Richter
Sorgen bereitet Bernd Mehnert (rechts) und Mario Bartusek nicht etwa der Zweitakt-Motor (stammt von einem Jetski, seine 135 PS bringen das Boot bis auf 140 km/h, und er läuft mit handelsüblichem Super plus, das man allerdings mit 800 ml Rennöl auf 20 Liter mischen muss), sondern die finanzielle Situation. Der Saisonstart steht völlig in den Sternen. Peter Richter

Bernd Mehnert, Wassersportverein Hanseat Rostock, lässt sich nicht unterkriegen, auch wenn weniger als zwei Wochen vor Saisonbeginn in der Formel R 1000 noch unklar ist, ob er teilnehmen kann.

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11. Mai 2011, 11:58 Uhr

"Wir müssen jonglieren, da sind wir Könige drin." Bernd Mehnert (Wassersportverein Hanseat Rostock), einziger Motorboot-Rennfahrer des deutschen Ostens oberhalb von Berlin, lässt sich nicht unterkriegen, auch wenn weniger als zwei Wochen vor Saisonbeginn in der Formel R 1000 noch unklar ist, ob er überhaupt teilnehmen kann. Er habe noch nicht mal die Lizenz: "Ich stehe auf dem Trockenen, müsste spätestens nächste Woche noch irgendwoher Geld auftreiben." Das Saisonziel laute "Mitfahren" bzw., wie es Mehnerts treuester Weggefährte und "ewiger Schrauber" Mario Bartusek formuliert: "Durchhalten". Mit Letzterem sprach Sportredakteur Peter Richter.

Rennboot kann als Werbefläche dienen

Herr Bartusek, wie ist der Stand der Dinge?

Bartusek: Ich denke, bis zum ersten Rennen am 21./22. Mai in Dessau kriegen wir das Boot fertig. Diesen Freitag soll alles - Maschine, Propeller usw. - bis auf die Farbgebung fertig sein. Was die betrifft, bleiben wir im Wesentlichen bei Blau und Gelb. Allerdings müssen wir von Kanariengelb, das sich nicht mehr im Handel befindet, auf Rapsgelb umsteigen. Aber ob das nun ein bisschen dunkler ausfällt als vorher, ist ja nicht das große Problem, sondern das sind unsere finanziellen Sorgen.

Und die sind größer als je zuvor

Wir hoffen, dass wir uns von Rennen zu Rennen hangeln können, so wie jedes Jahr. Nur dass wir sonst vorher immer noch ein paar Mittel hatten, diesmal gar keine. Also, wir bereiten uns vor, machen alles, was wir selber bezahlen können, und hoffen, dass wir wenigstens unser Heimrennen in Pütnitz wahrnehmen können.

Wieviel Geld würdet ihr denn für eine komplette Saison benötigen?

Wir müssten 2000 Euro zusammenkriegen. Das ist die Fixsumme, von der wir ein Jahr bequem hinkommen könnten. Hätten wir 200 Euro pro Rennen, wäre das eine tolle Sache. Aber da wir das Geld nicht haben, ist unsere Teilnahme völlig offen.

Gold wert wäre ein Sponsor, besser mehrere?!

Sicher. Wir sind bereit, das Boot als Werbefläche anzubieten. Mit ihm auf dem Hänger fahren wir viele 1000 Kilometer auf der Autobahn und könnten zum Beispiel Reklame für Hotels und Pensionen machen. Damit interessierte Leute, die das sehen, schon im Vorfeld buchen und nicht erst, wenn sie in Rostock sind und dann keine Zimmer haben.

Ihr habt technisch einige Optimierungen vorgenommen. Welche?

Wir haben den Motorblock um fünf Zentimeter zurückgesetzt. In der vorigen Saison tauchte das Problem auf, dass der Propeller sich mehr außerhalb des Wassers befand als drin und das Boot dazu neigte, mit der Spitze einzutauchen. Also haben wir jetzt den Schwerpunkt verlagert. Wir haben das so gelöst, dass man den Motor - sollte der Schwerpunkt nunmehr zu weit hinten liegen - ohne großen Aufwand auch wieder nach vorn zurückverschieben könnte.

Aber ihr könnt nicht mehr testen, ob es funktioniert?

Dafür wird die Zeit zu knapp.

Von der Logik her haben wir richtig gebaut, aber ob das wirklich so ist, ob die Änderungen, die wir vorgenommen haben, auch hin-

hauen, wird sich erst in der Praxis zeigen. Insofern wären die ersten zwei, drei Rennen wieder nur Testfahrten.

Ihr seid seit zwei Wochen ständig in der Garage in Kritzmow zu finden…

Ja, wir arbeiten seit Ostern fast jeden Tag hier. Vorher ging das nicht, weil wir inzwischen den Bootsboden mit Keflar ausgeklebt haben, um mehr Stabilität zu erreichen, und der dazu benötigte Zwei-Komponenten-Kleber erst ab 15 Grad verarbeitbar ist.

Ohne fremde Hilfe wäret ihr schon längst am Ende, oder?

Das stimmt. Freunde und Bekannte unterstützen uns kostenlos. Das beste Beispiel ist Wolfgang Sengpiel, der uns zum Beispiel unsere Welle gedreht hat. Wenn wir den nicht hätten, könnten wir überhaupt nicht fahren.

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