zur Navigation springen

Saatkrähen: Kein massives Vergrämen

vom

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2010 | 06:17 Uhr

Wittenberge | Bewohner im Seniorenpflegezentrum in der Stein-Hardenberg-Straße und Anwohner in der Beethovenstraße können hoffen, dass es mit dem lauten Gekrächze der Saatkrähen im Park am Gesundheitszentrum im nächsten Jahr vorbei ist. Dafür werden diese Probleme voraussichtlich in einem anderen Gebiet der Stadt entstehen. Denn grundsätzlich darf die Saatkrähenpopulation in der Stadt nicht massiv vergrämt werden.

Nachdem sich Bewohner, namentlich Lucie Stahl, in diesem Frühjahr massiv über den Lärm und die von den geschützten Vögeln verursachten Verunreinigungen beklagt hatten und die Arbeiterwohlfahrt als Träger des Seniorenzentrums einen Antrag auf Zulassung von Vergrämungsmaßnahmen stellte, signalisiert Umweltministerin Dr. Anita Tackmann (Linke), dass kleinere "Lenkungsmaßnahmen in einzelne Teilkolonien " denkbar seien. Aber: Die Wittenberger werden auch künftig mit den Vögeln leben müssen. Das geht ebenfalls aus der Antwort der Ministerin auf die parlamentarische Anfrage des aus Wittenberge stammenden CDU-Abgeordneten Gordon Hoffmann hervor (der "Prignitzer" berichtete gestern bereits kurz). Die Umweltministerin des Landes räumt einem Antrag auf Zulassung massiver Vergrämungsmaßnahmen, der derzeit geprüft werde, "keine Erfolgsaussichten" ein. Laut Tack brüten die stark gefährdeten Vögel nur noch in sieben Orten Brandenburgs. Wittenberge ist einer dieser Orte. Diese Tatsache unterstreicht die extrem große Bedeutung der hiesigen Brutkolonien für die im Land Brandenburg streng geschützte Art. In ihrer Antwort auf die Anfrage von Hoffmann heißt es dazu: Aufgrund der strengen Schutzbestimmungen sei eine vollständige Vertreibung aus dem Innenstadtbereich nicht möglich.

In ähnlicher Form positionierte sich Ende Juni das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Lucie Stahl aus der Beethovenstraße hatte sich an den Petitionsausschuss des Bundestages gewandt und ihre Bedenken wegen der Kolonie im Park geltend gemacht. Sie bat das Bundesministerium, rechtliche Voraussetzungen für wirksame Vergrämungsmaßnahmen zu schaffen und eine Wiederansiedlung dauerhaft zu verhindern.

Das Bundesumweltministerium verweist in seiner Antwort erst einmal darauf, dass die Saatkrähen eine "durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützte Arten ist". Die nach Landesrecht zuständigen Naturschutzbehörden würden nur sehr eingeschränkt und zeitlich befristet eine Befreiung von den Schutzbestimmungen vornehmen, fügt das Ministerium hinzu. Um dann auch noch festzustellen: "Die Abwehrmaßnahmen verursachen Kosten, sind aber nicht geeignet, die Saatkrähenpopulation wirksam zu reduzieren."

Vergrämungsaktionen mit mehr oder minder großem bzw. wenig Erfolg gab es in den zurückliegenden Jahren mehrfach in Wittenberge. Mitte der 90er beispielsweise sagte die Stadt - auch auf Drängen von einigen Anwohnern - der Kolonie in der Sandfurttrift am Park den Kampf an. Mit Leitern und Motorsägen rückte eine Firma an und begann, die Platanen einzukürzen. Die Hoffnung hinter dieser Aktion: Die Saatkrähen würden sich in die Anlagen zurückziehen, dort hohe Bäume zum Nisten aussuchen. Die Aktion misslang weitgehend. Die Vögel zogen zwar um, besetzten teilweise aber auch Bäume auf dem Gelände der nahen Kita. Einige Jahre später siedelten die Vögel wieder um, besetzten die angestammten Koloniebäume.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen