Russisches Gas strömt ein Jahr später

Die ersten Rohre für die Anschlussleitung sind vor Ort. Foto: dpa
Die ersten Rohre für die Anschlussleitung sind vor Ort. Foto: dpa

Der Bau der Ostseepipeline verzögert sich: Durch die 1200 Kilometer lange Leitung wird erst 2012 Gas aus Russland strömen – ein Jahr später als geplant. Damit geraten auch Milliardeninvestitionen am Energiestandort Lubmin in Verzug. Ein geplantes Gaskraftwerk geht später als vorgesehen ans Netz.

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24. Juli 2008, 09:21 Uhr

Waren/Berlin - An das Projekt knüpft eine ganze Region große Hoffnungen: 7,4 Milliarden Euro will das russisch-deutsch-niederländische Nord Stream-Konsortium in das Herzstück der neuen Energietrasse für Europa investieren und über eine betonummantelte Stahlleitung Europa mit Erdgas versorgen. Nur: Der Baubeginn ist noch unbestimmt. Noch liegt nicht eine Genehmigung vor. Der Bau der Pipeline gerät in Verzug.

Die Planer strecken inzwischen den Zeitplan
„Wir rechnen nicht vor 2012 mit dem ersten Erdgas“, sagte der Projektleiter der Gazprom Germania GmbH (Berlin), Andreas Hieckmann, am Dienstagabend in Hinrichshagen bei Waren. Der Pipeline-Bauer Nord Stream, will hingegen von Bauverzögerungen nichts wissen und hält an einer geplanten Erdgaslieferung 2011 fest.

Man habe dazu Investitionsentscheidungen getroffen und Verträge mit Lieferanten unterzeichnet, teilte Nord Stream gestern mit. So werde die grenzüberschreitende Untersuchung zur Umweltverträglichkeit Ende 2008 abgeschlossen. Baubeginn der Pipeline soll demnach 2010 sein.

Die deutsche Tochterfirma des russischen Gaskonzerns Gazprom rechnet hingegen damit, dass die nötige Munitionsräumung in der Ostsee sowie ein „politisch belastetes Genehmigungsverfahren“, aus dem weitere Auflagen zu erwarten, das Projekt verzögern wird. Das Unternehmen erkundet bei Waren ein Gelände, auf dem der für die Pipeline nötige Erdgasspeicher gebaut werden soll.

„Selbst wenn die Genehmigungsverfahren planmäßig laufen, bleibt es ein komplizierter Leitungsbau“, sagte Hieckmann. So dürfe in der Ostsee in bestimmten Schutzgebieten zu bestimmten Zeiten nicht gearbeitet werden. Außerdem müsse nach dem Genehmigungsverfahren auch die Ausführungsplanung noch einmal vorgelegt und technisch begutachtet werden.

Die Ostsee-Erdgaspipeline wurde vom Europäischen Parlament als „Vorhaben von europäischem Interesse“ eingestuft. Pro Jahr sollen 27,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland nach Lubmin gepumpt werden, von wo aus das Gas über zwei Landleitungen nach Westeuropa (NEL) und nach Süden ins sächsische Olbernhau (OPAL) gelangen.

Die Ostseepipeline bietet nach Ansicht des Schweriner Wirtschaftsministers Jürgen Seidel (CDU) die Chance, Lubmin zu einem der bedeutendsten Energiestandorte Deutschlands zu entwickeln. So seien dort zwei Gas- und Dampfkraftwerke genehmigt. Die Industrie gehe auch immer dort hin, „wo die Energie anlandet.“

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