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24. Oktober 2017 | 02:04 Uhr

Rotstift dämpft Kinderwunsch

vom

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2010 | 07:16 Uhr

Schwerin | Als "soziale Ka tastrophe" bezeichnet die Leiterin der Schwangerschaftsberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Schwerin, Ingrid Drinkgiern, die Absicht der Bundesre gierung, das Elterngeld für Harz-IV-Empfänger zu streichen. "Sollte der Beschluss in die Tat umgesetzt werden, müssen wir damit rechnen, dass sich auch in der Lan deshaupt stadt noch mehr Frauen für einen Schwan gerschaftsabbruch entscheiden", so Drinkgiern.

Knapp 1000 Frauen hat die Awo-Mitarbeiterin im vergangenen Jahr beraten. "Fast immer sind es finanzielle Probleme, über die die Ratsuchenden berichten, ob in einer Konfliktberatung oder einer allgemeinen Schwangerschaftsberatung", schildert Drinkgiern. Weil die kommunalen Sozial hilfe trä ger in MV für Leistungsbezieherinnen nach dem 20. Lebensjahr nicht mehr die Kosten für ärztlich verord nete Verhütungsmittel übernehmen, seien schon jetzt viele Frauen, die Arbeits losen geld II oder So zialgeld bekommen, aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, auf eine sichere Verhütung zu verzichten, so die Ex pertin.

Direkte Konsequenz aus Sicht von Drinkgiern: Die Zahl der Schwanger schafts ab brüche im Land steigt wieder . Entschieden sich im Jahr 2008 noch 3111 Frauen für einen Abbruch, waren es im vergangenen Jahr bereits 3134. "Wenn das Elterngeld gestrichen werden sollte, wird sich die Lage noch verschärfen", so die Beratungsstellen-Leiterin. Für Hartz-IV-Empfänger seien die bisher gezahlten 300 Euro monatlich eine wesentliche Hilfe bei notwen digen Anschaffungen nach der Geburt eines Kindes. Außerdem könne das Geld etwa auch für Baby-Kurse, die frühkindliche Förderung und zur Qualifizierung in der Eltern zeit verwendet werden, erklärt Drinkgiern.

Die Sparpläne der Bun desregierung produzierten eine soziale Schieflage, kri tisiert die Schwangerschafts bera terin. Von der Wiege an hätten Kinder arbeitsloser Eltern dadurch schlechtere Startchancen und Entwicklungsmöglichkeiten. Drinkgiern appelliert deshalb an alle politisch Verantwortlichen, die Pläne noch einmal zu überdenken.

Als Erfolg wertet die Expertin die Tätigkeit einer Arbeit sgruppe, die Vorschläge für ein Modellp rojekt gemacht hat, bei dem bedürf tige Frauen in bestimm ten Regionen des Landes auch nach dem 20. Lebensjahr beim Erwerb ärztlich verordneter Verhütungsmittel gefördert werden sollen.

Drinkgiern geht aber noch weiter: Gerade sozial schwache Familien benötigten mehr professionelle und kostenlose Betreuungsangebote, um ihren Kindern von Anfa ng an gleichberechtigte Chancen auf Bildung und Erziehung zu bieten.

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