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Schlagsdorf: Norddeutsches Grenzlandmuseum wird umgestaltet : Roter Faden für das "Grenzhus"

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Knapp eine Million Euro solle der Museumsumbau kosten, sagt Heimert-Ladendorf, einzige feste Mitarbeiterin der von einem Verein getragenen Einrichtung. Bisher fehlten ein roter Faden.

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erstellt am 19.Jul.2011 | 11:45 Uhr

In frischem Grün leuchtet der alte Streckmetallzaun. Ein Bewohner von Schlagsdorf - zwischen Ratzeburg (Schleswig-Holstein) und Gadebusch (Nordwestmecklenburg) - hat das Überbleibsel der früheren innerdeutschen Grenze lackiert und als Hof einfassung montiert. Auch so manch Misthaufen oder Hühnerstall im Ort trägt eine Verkleidung aus Stahlgitter und Drahtverhau der alten Sperranlagen. "Selbst die Grenze war eben volkseigen", kommentiert Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Mit Hilfe der Stiftung will der Ort 50 Jahre nach dem Mauerbau sein 1999 eröffnetes Museum "Grenzhus" neu gestalten.

Knapp eine Million Euro solle der zweijährige Museumsumbau kosten, sagt Anette Heimert-Ladendorf, einzige feste Mitarbeiterin der von einem Verein getragenen Einrichtung. Nötig sei dies allemal. Bisher fehlten ein roter Faden sowie ein ausgewogener Blick auf die Geschichte der Grenzregion zwischen Ostsee und Elbe, räumt sie ein. So müsse das "Grenzhus", das zuletzt pro Jahr an die 10 000 Gäste zählte, nicht nur chronologisch sortiert, sondern zudem mit neuen Erkenntnissen, regionalen Fakten und Themen bereichert werden. Bis 2013 solle auch die ein paar hundert Meter vom Haupthaus entfernte Außenanlage - kein Original, sondern ein Nachbau von DDR-Grenzsperranlagen der 80er-Jahre in einer ausgedienten Kieskuhle - umgestaltet und mit neuen Infotafeln korrekt erklärt werden.

In die künftig erweiterte Ausstellung im "Grenzhus" gehörten neue Texttafeln, sind sich die Macher einig. Extra Bereiche sollen etwa die technische Perfektionierung der östlichen Sperranlagen in historischer Reihenfolge schildern und auch den DDR-Schießbefehl an der Grenze belegen. Die bisher separat im Dachgeschoss untergebrachte Natur-Ausstellung des grenznahen Biosphärenreservats solle künftig in die Exposition integriert werden. So solle sich das Thema Naturschutz durch das ganze "Grenzhus" ziehen, erklärt Gerd Schriefer von der Stiftung Biosphäre Schaalsee. Schließlich müssten "Bleiwüsten" an den Wänden durch neue Medien ersetzt werden, etwa durch Hörtexte in Deutsch und Englisch, sagt die Museumsleiterin.

Das Konzept für den Umbau stammt aus der Feder von Grafikdesignern aus Erlangen. Stiftungs-Chefin Kaminsky bezeichnete das Vorhaben als "ausgereift". Schlagsdorf führe das einzige norddeutsche Grenzlandmuseum von bundesweit 15 größeren Dokumentationszentren, sagt sie. Hinzu kämen rund ein Dutzend weiterer kleinerer Informations- und Gedenkstätten von der Ostsee bis Thüringen.

Schlagsdorfs Museum müsse nach zwölf Jahren dringend überholt werden, betont Kaminsky. "Geschichte ist nichts Unveränderliches." Es gebe neue historische Erkenntnisse und veränderte Bedürfnisse der Besucher. Zugleich warnt die Expertin vor rigorosem Aufräumen. Ausstellungsstücke dürften nicht weggeworfen, sondern müssten in einen aktuellen Kontext gestellt und kritisch erklärt werden.

"Kontrastieren" sei spannend. "So lassen sich auch Missbrauch von Geschichte, Betrug, Propaganda und das systematische Belügen der Leute in der DDR nachvollziehen." Der Besucher könne dann selbst entdecken, wo Realitäten verdreht wurden.

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