Rostocks Heide kränkelt - Extremes Klima belastet Fichten, Eichen und Kiefern

Der Schrecken der Nadelbäume: die Fichtenröhrenlaus.
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Der Schrecken der Nadelbäume: die Fichtenröhrenlaus.

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14. August 2008, 08:53 Uhr

Rostock - Rostocks Heide kränkelt. „20 Prozent unserer Bäume geht es ziemlich mies“, sagt Revierförster Stefan Schlüter. So genannte Katastrophen-Flächen suche man aber vergebens. Rostocks Waldexperten haben in den vergangenen Wochen den jährlichen Waldschadensbericht erhoben. Darin halten sie fest, wie gut oder schlecht es verschiedenen Baumtypen im Rostocker Stadtwald geht.

400 Exemplare nahmen die Experten dafür unter die Lupe. Vor allem Blatt- und Nadeldichte sind wichtige Faktoren für den Gesundheitszustand. „Zehn bis zwölf Prozent unserer Bäume sind topgesund“, sagt Schlüter.

Der Aufwand zur Waldschadenserhebung lohne sich, sagt Oberförster Jörg Harmuth, landesweite Statistiken seien unzureichend. „Unser Klima ist ein anderes als auf Usedom oder auf Bornholm“, sagt er.

Herbstbeginn für Bäume
Vergangenen Herbst und Winter hat es viel geregnet. „Die Bäume standen im Wasser“, erzählt Schlüter. Dann haben sie Blätter getrieben, das Wasser verschwand. Regen blieb aus und die Trockenheit setzte den Wäldern zu. „Manche färben schon ihre Blätter wie im Herbst“, sagt der 41 Jahre alte Baumflüsterer.

Zu den Sorgenkindern der Förster gehören auch Fichten. „Sitkafichten sind ein Riesenproblem“, sagt Schlüter. Bis jetzt waren nur Einzelne der nordamerikanischen Einwanderer betroffen, dieses Jahr sind es ganze Flächen. Nach windigen Tagen umgibt oft ein silberner Nadelteppich ihre Stämme. „Die machen uns richtig Kopfzerbrechen“, sagt der Revierförster.

Die Sitkafichten haben fast alle Nadeln verloren. „Nur die Neutriebe aus diesem Jahr sind noch dran, damit hält sich der Baum am Leben“, sagt Schlüter. Widerstandskräftig seien die betroffenen Exemplare nicht mehr. Schädlinge wie die Fichtenröhrenlaus haben leichtes Spiel. Erholen sich befallene Bäume bis zum nächsten Frühjahr nicht, müssen sie fallen.

Sitkas machen etwa fünf Prozent des Stadtwalds aus, insgesamt 260 Hektar. Ihr Verlust wäre ein Einschnitt in die Artenvielfalt der Heide. „Die ist wichtig wegen der Risikostreuung“, erklärt Harmuth. Immerhin sei die Heide FSC-zertifiziert. Das Umweltsiegel bescheinigt eine ökologische Nutzung.

Trotzdem müssen Harmuth und seine Förster auch ein wenig aufs Geld schauen und Holz kranker Bäume bringt nicht viel ein. Das trifft auch auf die Rostocker Weihnachtsbaumschulen zu. Sollten die Blaufichten hier doch von Schädlingen befallen werden, „haben die Rostocker Weihnachten viel Platz zum Schmücken“, sagt Schlüter – eine Katastrophe für die Förster.

Sie setzen erst einmal auf Selbstheilungskräfte. „Im Wald ticken die Uhren anders“, sagt Harmuth. Er denke 30 bis 40 Jahre im Voraus. Das Klima könne er nicht vorhersagen, aber dafür sorgen, dass die Heide ihre Widerstandskraft behält.

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