Rostocker Rathaus-Chefs bekriegen sich

OB Methling und der Finanzsenator Scholze.  Foto: Scharnweber
OB Methling und der Finanzsenator Scholze. Foto: Scharnweber

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20. März 2008, 09:34 Uhr

Rostock - „Wir ziehen an einem Strang.“ Das hatte Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) noch vor einem Jahr verkündet. Das Ziel Haushaltssanierung einte das Duo Methling/Scholze und bereitete all jenen Sorgen, die sich im alten SPD-System gemütlich eingenistet hatten. Von dieser Einigkeit ist heute nichts mehr zu spüren. Ganz im Gegenteil. Mit öffentlichen Spitzen bekriegen sich die Rathaus-Bosse.

Bestes Beispiel: Als Methling vor kurzem während einer Pressekonferenz voller Stolz die Zahlen für den Kassensturz präsentierte, war der zuständige Finanzsenator Georg Scholze (CDU) weder eingeladen noch informiert. Der verdutzte Scholze erfuhr erst auf der Bürgerschaftssitzung am Abend von der Sache. Anschließend schimpfen die Parteifreunde von der CDU: „Man grenzt ihn von dienstlichen Vorgängen und Terminen aus, um anschließend Vorwürfe zu erheben, der Senator mache seine Arbeit nicht ordentlich.“ Dieser verkündet einige Tage später im Finanzausschuss , dass die vom Oberbürgermeister genannten Zahlen mitnichten die abschließenden seien. Eine öffentliche Retourkutsche für den Vorgesetzten.

Der Streit zwischen den beiden Männern ist nicht neu. Die Wurzeln liegen ein Jahr zurück: Hauptausschusssitzung am 21. März 2007. Methling will den Generalintendanten des Volkstheaters kündigen lassen. Den „Coup Piontek“ bereitet Scholze vor und macht daraus eine „Niederlage Methling“. Steffen Piontek bleibt, weil die Vorwürfe des Senators nicht haltbar sind. Am Ende sei immer der Oberbürgermeister für die Außendarstellung verantwortlich, sagt Methling. Im Nebensatz wird er deutlicher. Die „Sache Piontek“ sei nicht ordentlich vorbereitet gewesen. Was er nicht offen sagt: „Durch den Finanzsenator.“

Nach einem als „Geheimtreffen“ tituliertem Gespräch im Juli 2007 in Schwerin, an dem neben den Spitzen von CDU und SPD auch Georg Scholze teilnimmt, wirft der Oberbürgermeister seinem Vize öffentlich Illoylität vor, spricht von einem „politischen Skandal“. Spätestens seit diesem Ereignis begegnet Methling Scholze mit Argwohn und Strafe. Im Oktober nimmt er ihm die wichtige Abteilung Controlling weg, die pikanterweise von einem engen Vertrauten des Senators geführt wird. In diesem Jahr geht der Privatisierungsbeauftragte für das Theater zurück in den Einflussbereich von Kultursenatorin Ida Schillen. Als Scholze Kürzungen beim Zoo in Aussicht stellt, demütigt ihn sein Vorgesetzter öffentlich.

Bisheriger Höhepunkt ist die Recklinghauser Dienstwagen-Affäre, die Scholze schlecht aussehen lässt. Darin wittern die Methling-Gegner ein böses Spiel. „Es ist kein Zufall, dass just zu den Gerüchten das Rechnungsprüfungsamt nunmehr im Auftrag des Oberbürgermeisters die Reisekostenabrechnung des Finanzsenators prüfen muss“, verkünden CDU-Fraktionschef Franz Laube und Kreisvorsitzender Dieter Schörken. Auch Sybille Bachmann (Rostocker Bund) glaubt an ein Kampagne. Sie hat eine Aussprache zum Führungsstil des Oberbürgermeister für die April-Sitzung der Bürgerschaft beantragt. Die Stoßrichtung ist klar. Methling, der im steten Wechsel mit jeder Fraktion im Clinch lag oder noch liegt, wird sich heftiger Kritik ausgesetzt sehen.

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