Rostocker Jaguar auf Tiertransport offenbar verstorben - Tierschützer kritisieren zweifelhafte Transportbedingungen

Die drei neugeborenen Jaguar-Babys Keme, Kachina und Kaya sitzen bei ihrer Taufe im Rostocker Zoo in einem Korb im Januar 2007. Foto: ddp
Die drei neugeborenen Jaguar-Babys Keme, Kachina und Kaya sitzen bei ihrer Taufe im Rostocker Zoo in einem Korb im Januar 2007. Foto: ddp

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02. Dezember 2008, 06:32 Uhr

Rostock - Kurz nach ihrer Geburt im Dezember 2006 waren die Jaguardrillinge die Besucherlieblinge im Rostocker Zoo. Wenn die zwei kleinen schwarzen und das gefleckte Kätzchen mit ihrer Mutter Ayana im weitläufigen Gehege tollten, konnten sich Kinder und Erwachsene nicht satt sehen. Eineinhalb Jahre später wurde das Trio einem Zoo in Nicosia auf Zypern versprochen, um wieder Platz in Rostock zu schaffen.

Dass damit aber für die Jaguare eine Odyssee durch halb Europa verbunden sein würde, die eines der Tiere nicht überleben würde - damit hatten Tierpfleger und Zooleitung nicht gerechnet und es sicher auch nicht gewollt, wie Zoodirektor Udo Nagel am Dienstag immer wieder versicherte.

Am 18. April waren die Frachtpapiere für die Jaguarweibchen Kaya und Kachina sowie für ihren Bruder Keme unterzeichnet worden. Den drei Jungtieren ging es laut Attest des Amtstierarztes gut, sie waren gesund. Ziel des Transportes war das Melios Pet Centre in Nicosia auf Zypern, dafür nahm der Zoo die Dienste des holländischen Transporteurs Arnold van"t Klooster in Anspruch. "Wir haben ihm pro Tier 500 Euro gezahlt", sagte Nagel. Auf der Insel verweigerten die Behörden aber die Einreise der Tiere, der Transport ging weiter nach Pescara in Italien. Der Zoo Parc La Rupe nahm Anfang Mai die beiden Weibchen in Empfang, das Männchen sei unterwegs gestorben, hieß es.

"Wir haben erst drei Monate später erfahren, dass unsere Tiere gar nicht auf Zypern sind", sagt Nagel. Man habe den Transporteur zur Rede gestellt und schließlich den Zoo in Italien ausfindig gemacht. "Niemand kann uns sagen, was genau mit Keme passiert ist. Das Tier soll unterwegs an einer Infektion verstorben sein, es gibt aber keinen Befund und auch keinen Nachweis der Einäscherung", sagt Nagel. "Wir sind sehr beunruhigt." An Mutmaßungen etwa über einen möglichen privaten Verkauf des Tieres wolle er sich aber nicht beteiligen.

Für die Tierschutzorganisation PETA, die das Verschwinden des Rostocker Jaguardrillings am Dienstag öffentlich gemacht hat, ist der Fall klar. "So ein Transport über Tausende Kilometer, das hält kein Tier durch", sagte Frank Albrecht. Der Zoo vergieße Krokodilstränen, dabei habe er mit dem Verkauf der Tiere an einen privaten Transporteur eine Mitschuld am Schicksal der Jaguare. "Wildkatzen wird man nicht mehr los, da sind die Zoos froh über jeden Abnehmer", sagte Albrecht. Ein ähnliches Beispiel gebe es aus Hoyerswerda, wo sibirische Tiger letztlich einem belgischen Schlachter vermittelt worden seien. Ein anderer Zoo habe Tiere über einen privaten Transporteur in eine Tigerfarm nach China gebracht, die Tiere zur Potenzmittelherstellung tötet.

Der Rostocker Zoo zeigte sich am Dienstag zerknirscht, solch einen Fall habe es bei den vielen Tieraustauschen mit Zoos noch nicht gegeben, versicherte Nagel. Die Zusammenarbeit mit van"t Klooster, mit dem bereits mehrere Transporte durchgeführt worden waren, sei aufgekündigt worden. Außerdem behalte sich der Zoo rechtliche Schritte vor, sollte der Jaguar doch nicht auf natürliche Weise gestorben, sondern verschwunden sein. "Es ist aber schwierig, weil es rechtlich nicht mehr unsere Jaguare sind", sagte Nagel. Deshalb sollen Tiere künftig nicht mehr an den Transporteur verkauft werden. Ohnehin würden 95 Prozent aller Transporte durch den Zoo selbst durchgeführt und begleitet.

PETA-Sprecher Albrecht warnte indessen vor neuen Problemen. In Rostock sei gerade ein Löwenbaby geboren, getauft und dem Publikum als neuer Liebling vorgestellt worden. "Auch für Löwen gibt es keinen Markt. Als Mitglied des Weltzooverbandes hat sich aber auch Rostock verpflichtet, nur dann Nachwuchs großzuziehen, wenn es dafür eine Nachfrage oder eigenes Interesse gibt", sagte der Tierschützer.

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