Rostocker Ärzte erfassen 90 000 Patienten

Den Nebenwirkungen auf der Spur:    Chemielaborantin Katrin Krösche analysiert im Beisein von Pharmakologe Prof. Bernd Drewelow Blutproben im Labor für Arzneimittelanalytik.
Den Nebenwirkungen auf der Spur: Chemielaborantin Katrin Krösche analysiert im Beisein von Pharmakologe Prof. Bernd Drewelow Blutproben im Labor für Arzneimittelanalytik.

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10. April 2008, 07:53 Uhr

Rostock - Akute Nebenwirkungen in Rostocks Uni- und Südstadtklinik: Jeder 20. Patient kommt wegen ungewollter Reaktionen auf Medikamente hierher. Das belegen Mediziner und Pharamakologen mit einer Studie. Mehr als 90 000 Patienten haben sie zehn Jahre lang erfasst.

Der Direktor vom Rostocker Institut für Klinische Pharmakologie, Prof. Bernd Drewelow, zieht aus dem Ergebnis den Schluss: „Patienten müssen Mediziner stärker. aufgeklären. Das sage ich ohne die Ärzteschaft zu beschimpfen.“ Er spielt auf den zunehmenden Druck an, der die Mediziner belastet: eine schwierig zu überschauendes Medikamentenangebot, volle Wartezimmer sowie anspruchsvolle, immer älter werdende Patienten.

Risiken mindern, nicht beseitigen
Bei Pharmakologen schrillen schon länger die Alarmglocken. Sie hatten Mediziner, Gesundheitsbehörden, Apotheker und Unternehmer der Branche jetzt zu einem Fachseminar nach Rostock geholt. „Wir können Risiken nicht beseitigen, aber zum Beispiel Hausärzte sensibilisieren“, sagt Drewelow.

Er setzt dabei auf Selbsteinschätzung der Patienten: Trotz Zeitdruck müsse es gelingen, sie über Nebenwirkungen der verordneten Medikamente zu informieren. Bei körperlichen Veränderungen können sie dann ihren Arzt informieren. „So können Magenblutungen beispielsweise auf ein Medikament zurückgeführt werden“, erklärt Drewelow.

Mediziner müssten zukünftig lernen, mit dem Medikamentenüberschuss umzugehen. „Das wird in Rostock schon den Studenten beigebracht“, sagt Drewelow. Hier geben Professoren etwa doppelt so viele Stunden wie an anderen Hochschulen.

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