Rostock will seinen Flughafen aufgeben

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11. Juli 2008, 07:15 Uhr

Rostock - Das 27 Millionen Euro teure Terminal „Hans von Ohain” hat die erwartete Wende nicht eingeläutet. Zwar steigt die Zahl der Fluggäste kontinuierlich, hat sich seit 1999 bis 2007 auf 193 000 im Jahr sogar verdoppelt. Doch das Passagierplus schlägt sich nicht in den Büchern nieder. Im Gegenteil.

Jahr für Jahr bilanziert die Rostock-Laage-Güstrow GmbH einen Verlust. In den vergangenen sechs Jahren in der Summe ein Minus von rund 5,5 Millionen Euro. Rostock als Hauptaktionär mit 54,1 Prozent der Anteile trägt das größte Scherflein dazu bei, um diese Verluste auszugleichen.

Doch damit soll es ein Ende haben. Unter dem Gesichtspunkt der Haushaltskonsolidierung stehe die Beteiligung an der Flughafengesellschaft als Ganzes auf dem Prüfstand, geht Oberbürgermeister Roland Methling in die Offensive. Und in diesem Fall bläst ihm kein eisiger Wind aus der Bürgerschaft entgegen.


Hintergrund: Rostock-Laage
Mit 54,1 Prozent ist die Rostocker Versorgungs- und Verkehrs-Holding (RVV) an der Flughafen Rostock-Laage-Güstrow GmbH beteiligt. Der Landkreis Güstrow hält 35,6 Prozent der Anteile. Die Stadt Laage und die Gemeinde Weitendorf teilen sich den Rest. Die größte Investition der vergangenen Jahre war der Neubau des Terminals für rund
27 Millionen Euro.


„Wir können uns den Flughafen unter diesen Rahmenbedingungen nicht mehr leisten“, sagt Grünen-Fraktionsführer Johann-Georg Jaeger. Sein Kollege von der SPD wird deutlicher. Rainer Albrecht würde die Gesellschaft „lieber heute als morgen“ auch zu einem symbolischen Preis abtreten.

Einziger potenzieller Käufer wäre das Land. Denn die Verkaufsofferten aus Rostock sind in erster Linie Ausdruck der Unzufriedenheit über die Förderpolitik.

Kritik an unsinniger Förderung durch das Land
Nur 1,2 Millionen Euro schießt Mecklenburg-Vorpommern jährlich hinzu, damit wenigstens eine Passagierlinie in Rostock-Laage landen kann. Gleichzeitig leistet sich das Land insgesamt 20 weitere Flughäfen und Landeplätze. Rostock steht dabei als so genannter Regionalflughafen auf Augenhöhe mit Neubrandenburg sowie Schwerin und ist im Luftverkehrskonzept des Landes nur unwesentlich besser gestellt als Barth.

Deutliche Anzeichen dafür, dass sich das Land in Rostock finanziell stärker einbringt, gibt es derzeit noch nicht. Die Idee eines Landesflughafens stößt auf Ablehnung. Genau das ist aus Sicht von Rostocks Oberbürgermeister Methling allerdings unabdingbar: „Eine der wenigen Alternativen ist der Ausbau als Landesflughafen und damit ein noch stärkeres Engagement des Landes.“

Auch Bernd Fritze, Aufsichtstratsvorsitzender der Rostocker Versorgungs- und Verkehrs-Holding (RVV), die formal die Rostocker Anteile am Flughafen hält, sieht Schwerin in der Pflicht, zumindest einen Teil der Defizite auf zu fangen. Fördergelder würden sinnlos aufs ganze Land verteilt. Beispiel Barth mit jährliche etwa 12 000 Flugpassagieren: 2,7 Millionen Euro fördert Schwerin für den Ausbau eines Kontrollturms sowie einer Abfertigungshalle.

Für RVV-Geschäftsführer Jochen Bruhn ist die Diskussion um einen möglichen Verkauf zu verfrüht. In zwei bis drei Jahren könne man sich des Themas annehmen. Flughafen-Geschäftsführerin Marina Muller will sich „in diesem frühen Stadium“ noch nicht äußern.

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