Rostock auf der Überholspur

Jahrelang war Rostock Kellerkind im Vergleich der 50 größten deutschen Städte: Nun macht die Hansestadt im Ranking 2008 der Initiative für Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) den größten Sprung nach vorn. Platz 40 von 50 in der Gesamtwertung und Platz 23 in der Kategorie dynamische Entwicklung. Da hat sogar Berlin das Nachsehen.

von
07. Oktober 2008, 06:56 Uhr

Rostock - Null Wachstum und kaum Jobs. Das war früher. Der wirtschaftliche Aufschwung hat Rostock voll erfasst. Das sagt zumindest die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die seit 2004 das größte deutsche Städte-Ranking herausgibt. Ökonomische und strukturelle Daten der 50 größten Städte werden bei dieser Erhebung miteinander verglichen, gewichtet und in Reihenfolge gebracht. Das Ergebnis lässt aufhorchen: Erstmals hat Rostock eine der letzten beiden Plätze verlassen und einen deutlichen Sprung von neun Plätzen auf den 40. Rang gemacht. Städte wie Aachen, Gelsenkirchen, Wuppertal, Dauerrivale Lübeck und auch die Bundeshauptstadt Berlin, die erneut die rote Laterne trägt, verweist die Hansestadt auf die Plätze.

Das gute Abschneiden Rostocks liegt vor allem an den strukturellen Rahmenbedingungen: Niedrige Arbeitskosten, viele Hochqualifizierte. Des Investors Freud, des Arbeitnehmers Leid. Nur noch in Chemnitz verdienen die Menschen weniger als in Rostock. Hier lagen die Arbeitskosten bei 27 144 Euro pro Jahr und Arbeitnehmer. Im bundesweiten Durchschnitt sind es 34 399 Euro. Punkten kann Rostock auch in der Kategorie Struktureffekt und Altersbeschäftigtenquote. Lediglich in fünf anderen deutschen Städten sind relativ so viele Menschen ab 55 Jahren in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung.

„Die Dynamik in unserer Stadt war seit Jahren spürbar und wird jetzt auch volkswirtschaftlich untermauert. Investitionen in Rostock lohnen“, freut sich Christian Weiß, Geschäftsführer des Wirtschaftsförderers Rostock Business, über das gute Abschneiden – das so nicht zu erwarten war. Denn Platz 40 in der Gesamtwertung ist das eine. Das andere ist Rang 23 im Dynamik-Ranking, das insbesondere die wirtschaftliche und strukturelle Entwicklung der vergangenen fünf Jahre erfasst.
In keiner andere Großstadt sind in Relation zu den Einwohnern so viele Gewerbe an- und so wenige wieder abgemeldet worden. Platz eins für Rostock. Ebenfalls bemerkenswert ist die Ausbildungsplatzdichte, die nach der Erhebung der INSM in den vergangene Jahren um 3,9 Prozent stieg. Besser ist nur Dortmund. Auch die Arbeitslosenquote ist überdurchschnittlich gesunken. Zwischen 2002 und 2007 um 0,8 Prozent, während sie in den 49 anderen Großstädten im Schnitt um 0,4 Prozent gestiegen ist.

Rostock im Aufschwung. Vor zu viel Euphorie warnt allerdings Christian Buchweitz von der IW Consult, die das Städteranking ausgewertet hat. „Eine Stadt wie Rostock wird niemals München einholen.“ Denn während sich die Ostseestadt sich von einem niedrigem Niveau verbessert, arbeitet die bayerische Metropole weiter auf sehr hohem Niveau. Nicht zuletzt deshalb führt München unangefochten das Städteranking an. Hier stimmen nicht nur die Werte, mit denen Rostock punkten kann. Bei den Erstplatzierten München, Münster und Frankfurt am Main stimmt das Gesamtpaket. Hohe Löhne, große Kaufkraft, wenig Sozialhilfeempfänger. Hier liegt in Rostock vieles im Argen. Nur ein Beispiel: Die Realsteuerkraft beträgt 476 Euro je Einwohner. Nur noch in Halle an der Saale geht es den Menschen finanziell schlechter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen