Roland allein zu Haus - Der Politiker Methling zwischen Kompromisslosigkeit, Isolation und Erfolg

Rostocks OB Roland Methling auf einem Kinderfest vor dem Transparent Alle Achtung Kinder Hansestadt Rostock. Foto: Georg Scharnweber
Rostocks OB Roland Methling auf einem Kinderfest vor dem Transparent Alle Achtung Kinder Hansestadt Rostock. Foto: Georg Scharnweber

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26. August 2008, 08:19 Uhr

Es war das letzte Mal, dass Roland Methling so ausgelassen mit Ehefrau Annegret tanzen konnte. Am 27. Februar 2005. Gegen 21 Uhr. Ein Heer von Gratulanten beklatscht das Paar im Irish Pub am Stadthafen. Es ist Wahlparty und es ist Zeitenwende. Gerade hat der parteilose OB-Kandidat einen erdrutschartigen Sieg errungen. Mit 58,2 Prozent der Stimmen setzte sich der erfolgreiche Sail-Manager im ersten Wahlgang durch. In der Höhe eine große Überraschung – und eine Klatsche für die etablierten Parteien.

Zur gleichen Zeit steht SPD-Kandidat Sebastian Schröder bei der „Wahlparty“ im Rathaus förmlich neben sich, von fröhlicher Feier keine Spur. 19,1 Prozent. Das ist die bittere Wahrheit für die bisher dominaten Sozialdemokraten in Rostock. Alle anderen Parteien laufen unter ferner liefen. In den kommenden Tagen reichen nahezu alle politischen Kräfte dem neuen Oberbürgermeister ohne Hausmacht mittels Pressemitteilung die Hand. Purer Erhaltungstrieb, denn eine echte Annäherung kommt niemals zustande.

Haushaltssanierung steht über allem
Die Pläne von einer Koalition der Vernunft oder der Konsensrunde bleiben Schlagworte. Stattdessen baut sich eine Mauer des Misstrauens auf. Auf beiden Seiten. Schon auf der ersten Bürgerschaftssitzung mit Methling als neuem Stadtoberhaupt prallen beide Seiten aufeinander.

Der Kita-Streit und der Fall „Horcher“ – der Amtsleiter, den Methling feuert – bleiben keine Einzelfälle. Die Konflikte ziehen sich über scheinbar Zweitrangiges wie das Warnowschiff über offensichtlich Polemisches wie dem Streit um die Kleingärtner bis hin zum Dauerbrenner Stadtfinanzen, der die Amtszeit Methling charakterisiert.

Haushalt. Immer wieder Haushalt.
In diesem Punkt hat Methling seine Wahlversprechen erfüllt. Sogar übererfüllt. Von „schmerzlichen Einschnitten“ hat der Mann im Wahlkampf gesprochen. Drei Jahre später wissen alle, was gemeint war. Schon 2008 wird Rostock erstmals seit sieben Jahren nicht mehr ausgeben als einnehmen. Damit hat Methling für die Stadtkasse das umgesetzt, was in jedem guten Haushalt gilt.

2009 will Methling den ganz großen Coup landen. Der Schuldenberg von 220 Millionen Euro soll bis Jahresfrist abgebaut sein. Dafür will der Rathauschef Tafelsilber verkaufen. Wiro-Wohnungen, Aktien und das Südstadtklinikum obendrein. In seinem Wahlprogramm von 2005 hieß es noch: „Der Verkauf von weiterem Tafelsilber und Wahrzeichen ist abzulehnen.“ Gemeint war damals zwar das Kröpeliner Tor. Gleichwohl zeigt diese Kehrtwende die Priorität in der Politik Methlings: Alles hat sich der Haushaltssanierung unterzuordnen.

Zustimmung hinter vorgehaltener Hand
Eine Einstellung, die auf Sympathie stößt. Unter vorgehaltener Hand bezeugen viele Hinterbänkler in der Bürgerschaft Zustimmung, während ihre Fraktionsführer das Gegenteil bekunden. Was allerdings alle ablehnen, ist der politische Stil. Ohne Kompromisse trägt Methling politische Konflikte aus, nimmt Kritik – mitunter auch gut gemeinte – persönlich. Das spiegelt sich in zahlreichen öffentlichen Schlammschlachten wider.

Zum Beispiel mit den Senatoren Ida Schillen, Georg Scholze und Wolfgang Nitzsche. Aber auch Amtsleiter und Sachbearbeiter kriegen ihr Fett weg. Die Stimmung sei viel schlechter als unter Vorgänger Pöker, heißt es aus dem Personalrat. Und das will etwas heißen: Immerhin trug der Ex-OB den wenig schmeichelhaften Beinamen „König Arno“. Methling wird an seinen Zielen und an seinen Mitteln unbeirrt festhalten.

Das zeigen unter anderem die Fälle von Ex-Wiro-Chef Bernhard Küppers und Generalintendant Steffen Piontek. Gegen alle Widerstände hat sich Methling der Gegenspieler entledigt. Viele deuten besonders darin eine Abkehr von Filz und alten Strukturen. Andere sehen darin die Sandkastenspiele eigensinniger Männer. Im Rathaus geht schon die Warnung um: Wehe dem, der sich Methling in den Weg stellt.

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