zur Navigation springen

Biogasanlage soll Sporthalle, Schule und Unternehmen versorgen : Roggendorf setzt auf Fernwärme

vom

Die Sporthalle Roggendorf, die Schule und ein örtlicher Fahrzeugbauer werden aller Voraussicht nach im kommenden Winter mit Fernwärme der Biogasanlage der Agrar AG Roggendorf versorgt.

svz.de von
erstellt am 05.Jun.2013 | 11:29 Uhr

Die Sporthalle Roggendorf, die Schule und ein örtlicher Fahrzeugbauer werden aller Voraussicht nach im kommenden Winter mit Fernwärme der Biogasanlage der Agrar AG Roggendorf versorgt. Für die öffent lichen Gebäude will die Gemeinde Roggendorf die vertraglichen Voraussetzungen hinsichtlich der Wärmeversorgung schaffen. Kommende Woche beschäftigt sich die Gemeindevertretung unter Leitung von Bürgermeister Rico Greger mit den Modalitäten.

Für Hansjörg Rotermann, Chef der Agrar AG Roggendorf, und Techniker Ingo Palme ist dieser Schritt ein Beitrag zur Steigerung der Effizienz. Konkret dreht es sich um die Nutzung der Abwärme, die bislang über Kühlaggregate "verpufft". Die 600-kw-Anlage östlich von Roggendorf produziert derzeit 500 Kilowatt an Strom in der Stunde, das 365 Tage im Jahr. Ein wichtiges Geschäftsfeld bei zirka 20 Cent Vergütung je Kilowattstunde Strom.

Für Rotermann sogar ein ausbaufähiges Geschäftsfeld. Insbesondere bei der bislang ungenutzten Wärmeleistung. Die beträgt nach seinen Angaben 500 Kilowattstunden. Energie, die es über unterirdisch zu verlegende Fernwärmeleitungen künftig zu nutzen gilt. So schreibt es der Gesetzgeber vor.

Seit 2011 produziert die Roggendorfer Anlage Biogas, brummt der Generator im Technikhaus, wird Strom in das Netz des regionalen Stromanbieters gespeist. Die Biogasanlage mit ihren 10 000 Kubikmetern Fassungsvermögen ist hungrig. "Wie viel hast du heute gefüttert?", fragt Rotermann seinen Techniker. Der weist auf einen Mix im Vorratsbehälter hin: "15 Tonnen Maissilage und zehn Tonnen Mist". Ein energiereiches Futterpaket, aus dem unter Luftabschluss im so genannten Fermenter Methangas für den Betrieb des strom erzeugenden Generators gewonnen wird.

Das gelingt nur mit Feingefühl. Ingo Palme erklärt dazu die Computergrafik, die den Fermenter, Leitungen und computergestützte Steuertechnik zeigt. Die Technik gibt Auskunft über Temperatur und die richtige Menge an "Futter", damit die Anlage rund läuft.

Gelegentliche Kritik, landwirtschaftliche Flächen verstärkt an der Energiegewinnung auszurichten, weist Rotermann zurück: "Wir bauen heute weitaus weniger Mais und Zuckerrüben als zu DDR-Zeiten an. Damals erhielt die Tierproduktion und Futtermittelgewinnung einen anderen Stellenwert." Die Agrar AG verfüge heute lediglich über 500 Tiere in der Mastproduktion. Alternativ den Getreideanbau für die Lebensmittelproduktion zu forcieren, sei angesichts der Vernichtung eines Großteils von Lebensmitteln allein in Deutschland nicht hilfreich: "Wir schmeißen an die 50 Prozent unserer Lebensmittel weg. Darüber müssen wir uns Gedanken machen." Folglich sei für ihn die Nutzung nachwachsender Rohstoffe vor Ort unter Beachtung der CO2-Bilanz zur Energiegewinnung durchaus sinnvoll, meint Rotermann. Kein Transportfahrzeug müsse weiter als fünf Kilometer in Richtung Biogasanlage rollen. Letztendlich erhalte er am Ende wiederum wertvollen Naturdünger zur Steigerung der Erträge auf den Feldern.

Die Planungen zum Fernwärmeprojekt interessieren auch Roggendorfs Bürgermeister Rico Greger. Angesichts der steigenden Energiepreise sucht die Gemeinde nach Alternativen. Rotermann will diese anbieten und rechnet mit Preisen "zwischen 60 und 75 Prozent" der heutigen Energiekosten für die Endverbraucher. "Mit dem Umklemmen von Leitungen ist es nicht getan. Selbst wir müssen im Vorfeld in vestieren", sagt Greger. Wie und ob das möglich sein wird, besprechen die Roggendorfer am Dienstag, 11. Juni, 19 Uhr, im Gemeinderaum.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen