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Niemand will dafür verantwortlich sein : Risiko Millionenbau: Dabel plant ins Blaue

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Großes Rätselraten in Dabel: Die Planungskosten für den Bau eines neuen Kulturzentrums liegen bereits bei 63 000 Euro - beschlossen hatten die Gemeindevertreter nur 20 000 Euro.

svz.de von
erstellt am 25.Mär.2011 | 10:26 Uhr

Dabel | Großes Rätselraten in Dabel: Die Planungskosten für das ehrgeizige Kulturzentrum liegen bereits bei 63 000 Euro; beschlossen hatten die Gemeindevertreter nur 20 000 Euro - für einen Bau, von dem niemand weiß, ob er überhaupt umsetzbar ist, da derzeit weder Eigen- und Fördermittel in Aussicht stehen. Der stellvertretende Bürgermeister, Torsten Edlich, räumt ein: Mit diesen Kosten habe niemand gerechnet. Trotzdem stimmte die Mehrheit der Gemeindevertreter am Donnerstagabend dafür, dass die Gemeinde die Summe zahlt.

"Das tut weh." Diesen Satz sagte Torsten Edlich in kurzer Zeit fünfmal. Der zweite Mann in der Gemeinde sprang zur Verteidigung des Projektes für seinen Bürgermeister in die Bütt. Auslöser: Hans Diede-richs hakte nach, warum die Planungskosten auf bislang 63 000 Euro "explodiert sind". Das beauftragte Sternberger Büro hat mittlerweile Rechnungen in dieser Höhe vorgelegt. Edlich argumentierte: Nun lägen Planungen vor "bis zur Fördermittelreife", so wie es die Gemeindevertreter gefordert hätten. Allerdings monierte u.a. Diederichs, dass lediglich die teuerste Variante mit mittlerweile einer Million Kosten vorangetrieben worden sei. Und das, obwohl es in der Gemeinde bisher keine Entscheidung gegeben habe, ob und wie gebaut werden soll. Edlich bestätigte: Für eine kleinere Variante müsste die Planung erneut modifiziert werden, was wiederum Geld koste.

Laut Planung soll das Kulturzentrum 555 Quadratmeter Nutzfläche auf zwei Etagen haben, mit Saal für 268 Sitzplätze, großer Bühne, Bar, Garderobe, Toiletten. Im Obergeschoss wäre Platz für Tourismus-Info und Bibliothek. Die Aussicht auf Fördermittel zog die Leader-Aktionsgruppe für 2011 zurück, weil das Projekt nicht durchfinanziert sei; wenn, dann wäre mit maximal 500 000 Euro zu rechnen.

Entgegen einer früheren Aussage von Bürgermeister Herbert Rohde, dass auch abgespeckte Lösungen noch Thema seien, betont Edlich: Es gehe nur um eine Variante. Möglich sei, dass alle Planungen vergebens waren, wenn keine Förderung kommt. Edlich: "Ist das Geld dann rausgeworfen? Ich weiß es nicht." Trost für Dabel: 20 000 Euro der Kosten tragen Spender.

Diederichs erregte sich vor allem darüber, dass offenbar niemand den Kosten-Anstieg im Auge hatte. Wer diesen Auftrag auslöste, blieb unklar. Kämmerer Reinhard Dally sagte: Bürgermeister und Hauptausschuss hätten den Beschluss der Gemeindevertreter "erweitert". Zweifel an dieser Praxis hat Klaus Esche, der kopfschüttelnd im Publikum saß. Er nehme "ausgeprägten Realitätsverlust" wahr.

Laut Hauptsatzung der Gemeinde kann der Bürgermeister bei Verträgen allein nur bis zu einer Wertgrenze von 2500, der Hauptausschuss bis 20 000 Euro entscheiden.

Ist der Dabeler Weg rechtens? Die Kommunalaufsicht beim Landkreis antwortete darauf gestern nicht, weist aber hin: Nun brauche die Gemeinde einen Nachtragshaushalt.


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