Ringstorff verabschiedet sich mit optimistischem Ausblick aus Amt

von
03. Oktober 2008, 06:30 Uhr

Hamburg/Schwerin - Mit einer optimistischen Einschätzung der Zukunft Mecklenburg-Vorpommerns ist Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) am Freitag aus dem Amt geschieden. Die Städte und Gemeinden im Nordosten Deutschlands seien in den vergangenen Jahren „schöner und bunter“ geworden, sagte Ringstorff auf der Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Hamburg. Es gebe gute Aussichten, dass auch die Abwanderung gestoppt werden könne. Viele Betriebe seien bereit, mehr Geld hinzulegen, um junge Leute im „schönsten Bundesland“ zu halten. Mit Blick auf mögliche Vorbehalte gegen seinen designierten Nachfolger Erwin Sellering (SPD) sagte Ringstorff, man solle endlich aufhören, zwischen West- und Ostdeutschen zu unterscheiden. Sellering kommt aus Westfalen und lebt seit 1994 in Greifswald.

Ringstorff hatte bei seiner Rücktrittsankündigung erklärt, er habe den 3. Oktober bewusst als seinen letzten Amtstag gewählt. Es sei ein Tag mit großer persönlicher Bedeutung für ihn. „Ich habe 1989 die SDP in Rostock mitgegründet. Unser Ziel war damals die deutsche Einheit“, sagte der scheidende Ministerpräsident in Hamburg. Die SDP war die Neugründung der Sozialdemokratischen Partei kurz vor Ende der DDR.

Mit einem großen Empfang war Ringstorff bereits am Donnerstag in Schwerin verabschiedet worden. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) würdigte die politische Lebensleistung des 69- Jährigen, der Mecklenburg-Vorpommern seit dem 3. November 1998 regiert hatte. Dem Rücktritt seien weder Skandal noch Wahlniederlage oder Verschwörung vorausgegangen, hob Schröder hervor. Den Zeitpunkt habe Ringstorff selbst und sehr bewusst gewählt. „Was wir hier erleben, ist schon recht selten“, sagte Schröder unter Anspielung auf die aktuellen Turbulenzen in Bayern. Ringstorff habe das Land sichtbar vorangebracht. Die Menschen hätten ihn als echten Landesvater empfunden und ihm vertraut.

„Drei Wahlsiege in Folge, das hat Seltenheitswert. Ich weiß, wovon ich spreche“, erklärte Schröder und erinnerte auch an die von Ringstorff 1998 maßgeblich vorangetriebene Bildung der bundesweit ersten rot-roten Landesregierung. Die Widerstände im Land und in der Bundes-SPD hätten ihn nicht abhalten können.CDU-Landeschef Jürgen Seidel und der frühere Arbeitsminister Helmut Holter (Linke) würdigten gleichermaßen die Verlässlichkeit Ringstorffs. Bei Konflikten habe er immer eine sachliche Lösung gesucht, hob Seidel hervor und überreichte Ringstorff eine hochseetaugliche Angel als Abschiedsgeschenk. Holter bezeichnete Ringstorff als Urtyp des Mecklenburgers und würdigte dessen Mut, mit Rot-Rot bundesdeutsche Geschichte zu schreiben. Von den Fraktionen des Landtages erhielt Ringstorff einen Strandkorb geschenkt.

Ringstorff erneuerte seinen Appell, die DDR-Vergangenheit trotz aktueller Probleme nicht zu verklären. Zudem forderte er „alle demokratischen Kräfte“ eindringlich zur politischen Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus auf. Ringstorffs Nachfolger Sellering soll am Montag vom Landtag gewählt werden. Seine Wahl gilt als sicher, da auch der Koalitionspartner CDU Zustimmung angekündigt hat. Ringstorff bleibt bis dahin noch geschäftsführend im Amt. Danach will er sein Landtagsmandat weiter wahrnehmen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen