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12. Dezember 2017 | 22:41 Uhr

Riester: Kein Geld verschenken

vom

svz.de von
erstellt am 10.Mai.2010 | 07:10 Uhr

So viel ist jedem klar: Die gesetzliche Rente wird nicht reichen, um den Lebensstandard von heute in den Ruhestand hinüberzuretten. Wer die Lücke schließen will, kommt an privater Altersvorsorge nicht vorbei. Ein Weg ist die Riester-Rente, die der Staat durch Zulagen und Steuervorteile besonders schmackhaft macht. Doch obwohl die Förderquote bis zu 90 Prozent des Beitrages erreichen kann, hat höchstens die Hälfte der Förderberechtigten einen entsprechenden Vertrag. Aber die Betonung liegt eben auf "kann", und die Negativ-Meldungen rund um die Riester-Rente dürften zusätzlich für Zurückhaltung sorgen. Mal heißt es "Kosten fressen staatliche Zulagen auf", dann ist zu hören "Riester-Rente lohnt sich nur für den, der 90 Jahre alt wird". "Bevor ich da etwas falsch mache, mache ich lieber gar nichts", bringt Axel Drückler von der Neuen Verbraucherzentrale MV die Gedanken verhinderter Altersvorsorge-Sparer auf den Punkt. "Aber das ist das Falscheste, was man tun kann. Denn schließlich arbeitet bei jeder Geldanlage die Zeit für den Sparer." Ob sich das Ries tern lohnt, hängt letztlich von der persönlichen Situation ab. Wer die staatliche Hilfe nicht leichtfertig verschenken will, muss nachrechnen und Angebote vergleichen.

Riester: Für und Wider

Förderung: Wer nach dem Riester-Modell vorsorgt, bekommt dafür staatliche Zulagen und kann - je nach Einkommen - zusätzlich Steuern sparen. Eine Förderquote von rund 30 Prozent erreicht so fast jeder. Wer Kinder und ein relativ geringes Einkommen hat, kann sogar auf bis zu 90 Prozent kommen und muss nur 10 Prozent des Beitrages aus eigener Tasche bezahlen.

Garantie: Per Gesetz ist vorgeschrieben, dass zu Rentenbeginn mindestens die geleisteten Einzahlungen und die Zulagen zur Verfügung stehen müssen. Es gibt also kein Verlustrisiko - auch nicht bei Produkten auf Basis von Aktienfonds. Nachteil: Die Garantie kostet Geld und schmälert die Rendite.

Flexibilität: Im Vergleich zu privaten Renten ist die Riester-Rente an starre Bedingungen gebunden. So können beispielsweise zu Rentenbeginn höchstens 30 Prozent des angesammelten Kapitals als Einmalzahlung entnommen werden. Abgesehen davon ist sie nur eingeschränkt vererbbar.

Besteuerung: Nachdem die Riester-Rente in der Einzahlphase bezuschusst worden ist, unterliegt sie in der Auszahlphase voll der Besteuerung. Wie stark sich das auswirkt, hängt vom persönlichen Grenzsteuersatz ab. Der ist bei vielen Senioren im Alter jedoch deutlich geringer. Von Bedeutung ist das aber für Sparer, die neben der gesetzlichen Rente weitere Einnahmen - zum Beispiel Mieteinnahmen - haben werden und deshalb auch im Alter einen relativ hohen Grenzsteuersatz behalten.


Die Kosten

Die Kosten für Riester-Verträge zehrten zumindest teilweise die Zulagen auf, hatte Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, vor Kurzem kritisiert. Und das ist nicht das einzige Manko in dieser Hinsicht. "Die Riester-Rente ist außerdem von Anfang an undurchsichtig und intransparent", sagt Axel Drückler. "Obwohl die Anbieter verpflichtet sind, die Kosten anzugeben, ist es einem Normalverbraucher bei den meisten Produkten schlicht unmöglich, sie untereinander zu vergleichen." Das schreckt viele Sparer ab. Der Rat des Verbraucherschützers: Bei gleichen Einzahlungen die garantierte Rente vergleichen - und nicht etwa die prog nostizierte. Die enthält die Gewinnbeteiligung, die in keiner Weise garantiert ist. Außerdem sollten Sparer vor Abschluss eines Vertrages mehrere Tests und Rankings lesen, um Versicherer zu finden, die verhältnismäßig geringe Kosten haben. Es gibt sie. Und auch durch die Wahl des Riester-Produktes lassen sich Kosten sparen.

Riestern - aber wie?

Banksparplan, Fondssparplan, Wohnriester oder Rentenversicherung - ries tern kann man auf unterschiedliche Weise. Für welche man sich entscheiden sollte, hängt wieder von den persönlichen Verhältnissen, vor allem vom Alter und der Risikobereitschaft, ab.

Banksparplan: Eine sichere und zumindest in der Ansparphase kostengünstige Sache. "Wer in puncto Geldanlage kein Risiko möchte, auf das zusätzliche Geld im Alter angewiesen ist oder erst mit 50 oder 55 anfängt zu sparen, ist mit einem Banksparplan gut bedient", erklärt Axel Drückler.

Fondssparplan: Er bietet die Chance auf eine höhere Rendite. Allerdings kann sie - je nach Entwicklung der Aktienmärkte - auch niedriger als bei einem Banksparplan ausfallen. Deshalb ist er nur etwas für Sparer, die das Auf und Ab der Aktienmärkte bewusst in Kauf nehmen und bis zur Rente noch viel Zeit - wenigstens 25 bis 30 Jahre haben, um Schwankungen aussitzen zu können. Abschlussgebühren und Ausgabeaufschläge schmälern die Rendite. "Wichtig wäre deshalb ein Vertrag, bei dem die Abschlusskosten nicht in den ersten Jahren abgezogen, sondern gleichmäßig über die gesamte Laufzeit verteilt werden", rät Axel Drückler. Wer ohne Beratung auskommt, findet im Internet Fondsvermittler, die Rabatte auf Abschlussgebühren und Ausgabeaufschläge geben.

Rentenversicherung: Wie viel Rente bei Bank- oder Fondssparplan schließlich aus dem angesparten Kapital gemacht wird, ist bei Vertragsabschluss völlig unklar. Bei der Rentenversicherung bekommt man zumindest die garantierte Rente bereits mitgeteilt. "Allerdings ist die Kostenbelastung bei den meisten Rentenversicherern relativ hoch", so Drückler. "Wer sich für diese Anlageform entscheidet, sollte sich daher vorher gut informieren. Es gibt zwei bis drei Anbieter, die bezüglich der Kosten noch in Ordnung sind."

Wohnriester: Die jüngste Riester-Form ist der Wohnriester. Er ist für Förderberechtigte, die eine hohe Förderquote erreichen und ein Haus bauen wollen, eine Überlegung wert.

Wer sollte nicht riestern?

Wer keine Kinder und ein hohes Einkommen hat, müsste tatsächlich sehr alt werden, um seinen Eigenbeitrag wieder herauszuholen. Da sollte man genau nachrechnen. "Und einem Verbraucher, der mit 60 zu mir kommt und 400 Euro Rente zu erwarten hat, kann ich auch nicht dazu raten", so Drückler. Denn die Riester-Rente würde als Einkommen berücksichtigt werden und dadurch später die staatlichen Hilfen der Grundsicherung im Alter verringern. Das gelte aber nicht bei einem 40-Jährigen.

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