Mehdorn wird Krisenmanager für Hauptstadtflughafen : Retter oder Notlösung?

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Will die unendliche Flughafengeschichte zu einem Ende führen: Hartmut Mehdorn. dpa

Hartmut Mehdorn, 70 Jahre und kein bisschen leise, soll das Projekt des Berliner Großflughafens "Willy Brandt", Kürzel BER, doch noch zu einem guten Ende führen - nach bisher vier Verschiebungen des Eröffnungstermins.

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08. März 2013, 08:37 Uhr

Berlin | Hartmut Mehdorn, 70 Jahre und kein bisschen leise, soll das Chaos-Projekt des Berliner Großflughafens "Willy Brandt", Kürzel BER, doch noch zu einem guten Ende führen - nach bisher vier Verschiebungen des Eröffnungstermins. Der umstrittene Ex-Bahn-Chef und Ex-Chef der Fluglinie Air Berlin wurde gestern vom Aufsichtsrat als Hoffnungsträger präsentiert: Die "reiche Berufserfahrung" lobte Aufsichtsratschef und Ministerpräsident Brandenburgs, Matthias Platzeck (SPD), und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) war sich sicher, Mehdorn folge "auch ein Stück weit einer patriotischen Berufung".

Die Eigner des Pannenflughafens atmen hörbar auf, nach langem Hin und Her einen Nachfolger für den bereits im Januar geschassten Flughafenchef Rainer Schwarz präsentieren zu können. Nach diversen Absagen anderer Manager für den Schleudersitz nun also ein alter Bekannter. "Wenn man denkt, schlimmer geht es nicht, überzeugt einen der Aufsichtsrat vom Gegenteil", spottete Grünen-Fraktionschefin Renate Künast.

Kann Mehdorn die Dauer-Großbaustelle aus den Schlagzeilen führen und dafür sorgen, dass die Eröffnung des Hauptstadtflughafens so bald wie möglich erfolgt und nicht mehr permanent in eine ungewisse Zukunft verschoben wird? Die Motivation dürfte hoch sein: Mehdorn war in seinem letzten Job als Chef der Fluglinie Air Berlin ein Hauptleidtragender des BER-Chaos. Er hat gegen die Flughafengesellschaft - seinen neuen Arbeitgeber - auf Schadenersatz geklagt. Gestern versicherte er, dass diese Klage nicht über seinen Schreibtisch im neuen Job gehen werde - einen Interessenkonflikt will er vermeiden.

"Technisch anspruchsvoll und schwierig" sei seine neue Aufgabe. "Wir werden uns bemühen müssen, das ein bisschen demolierte Vertrauen wiederherzustellen", umschrieb er seine Aufgabe. Aber: "Ich kann auch nicht zaubern", dämpfte er die Erwartungen.

Im Juni hatte Mehdorn nach der Hiobsbotschaft der erneuten Verschiebung noch geurteilt: "An solche Großvorhaben muss man Profis setzen." Er kennt sich in der Luftfahrtbranche als ehemaliger Chef von Airbus Deutschland und zuletzt von Air Berlin zwar aus, mit der Herausforderung Großbaustelle sammelte er als Bahn-Chef Erfahrung. Sein Wirken als Bahn-Chef von 1999 bis 2009, als er den Konzern sanierte und börsenreif zu machen suchte, ist jedoch für viele Grund zur Skepsis: Mehdorn habe die Bahn zu Lasten der Kunden geradezu kaputt saniert, klagen die Kritiker. Höhere Fahrpreise, schlechterer Service, zuletzt eine Affäre um die Ausspähung von Mitarbeitern, die ihn nach zehn Jahren seinen Job kostete - Mehdorns Bilanz ist trotz schwarzer Zahlen, die das Unternehmen schrieb, für viele negativ. Auch die Finanzierungsvereinbarung für das umstrittene Bahnhofs projekt Stuttgart 21 fiel in seine Zeit an der Spitze der Bahn.

Mehdorns unverblümte - andere sagen uneinsichtige - Art, trug dazu bei, dass er sich auch in der Politik wenig Freunde machte. "Diplomat wollte ich nie werden", bekannte er. Nun will er die unendliche Flughafengeschichte zu einem Ende führen. Für drei Jahre verpflichtet er sich.

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