VS-Skandal : Rentner sauer: Geld weg

Anleger-Skandal bei der Volkssolidarität: Durch eine offenbar falsche Beratung einer vom Güstrower Sozial- verband gegründeten Fondsgesellschaft kommt ein Rentnerehepaar über Jahre nicht an ihr Erspartes. Der Sozial- und Immobilienfonds verweigert die Auszahlung. Auch die versprochene Rendite blieb aus.

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03. März 2009, 07:41 Uhr

Güstrow | Das hat es noch nicht gegeben: Ausgerechnet der Sozial- und Wohlfahrtsverband Volkssolidarität, der sich selbst als eine Gemeinschaft für und von Menschen sieht, die Solidarität brauchen, sorgt für einen offenbaren Finanzskandal. Mit fünf Prozent Rendite lockte der Sozial- und Immobilienfonds der Kreisverbände Mecklenburg-Mitte und Rostocker-Land/Bad Doberan vor allem Senioren. Sozial engagieren, intelligent investieren - ein gutes Geschäft, dachten sich Elise (68) und Manfred Kapust (72) aus Langhagen und legten einen sechsstelligen D-Mark-Betrag an. Die Idee, mit einer Geldanlage gleichzeitig den Bau von Kinder- oder Seniorenheimen in der Region zu unterstützen, fanden sie gut, meint Manfred Kapust. Bis Ende 2007 sollte der Vertrag laufen, danach sei eine jährlich Kündigungsfrist zugesagt worden. Davon will die Volkssolidarität heute nichts mehr wissen. Acht Jahre nach Vertragsabschluss wollten die Kapusts sich ihr Geld wieder auszahlen lassen. Die Goldene Hochzeit stehe bevor. Das solle etwas größer gefeiert werden, erzählen die Senioren. Doch die Fondsgesellschaft lehnte ab und verwies auf Vertragsteile, die für das Ehepaar aber bei Vertragsabschluss 2001 im Unklaren blieben. Auch die versprochene Rendite für das Jahr 2007 blieb bislang aus. "Wir wollen doch nur unser Geld zurück", sagt Elise Kapust.

1000 Anleger haben ihr Geld investiertDas Geschäftsgebaren der Fondsgesellschaft bringt die Volkssolidarität in Verruf. Etwa 1000 Anleger haben ihr Geld dort investiert. Wenn sich der Fall Kapust herumspricht, werden Frage kommen. Das Geld sei angelegt "in Immobilien vor Ort, in Güstrow und Umgebung", erklärte Ulf Godemann, seit Februar neuer Geschäftsführer der VS Service- und Verwaltungs GmbH mit Sitz in Güstrow. Für das Ehepaar Kapust werde nach einer Lösung gesucht. Leider könne er frühere Zusagen nicht mehr überprüfen.

Die Art der Kapitalbeschaffung stößt bei Verbraucherschützern aber auch beim Landesverband der Volkssolidarität auf Kritik. Der Verband stehe "moralisch in der Haftung", erklärte Mathias Wins, Jurist der Neuen Verbraucherzentrale in Rostock. Selbst wenn im Vertrag formal alles korrekt sei, habe der Verband seinen "Vertrauensbonus" vor Ort eingesetzt, um zum Abschluss zu gelangen. Den Bau von Sozialimmobilien über Fondsgesellschaften zu finanzieren, sei nicht Aufgabe der Volkssolidarität, kritisierte auch die Landesverbandchefin Lieselotte Fiedler. "Dafür gibt es Banken." Der Kreisverband sei aber juristisch selbstständig und frei in seiner Entscheidung. Die Fondsgesellschaft in Güstrow wäre ein Einzelfall in MV. Auch bundesweit sei es keine gängige Praxis der 100 Verbände, sagte Horst Riethausen, stellvertretender Bundesgeschäftsführer der Volkssolidarität. Üblich sei, auf die gängigen Marktmechanismen zurückzugreifen und sich bei Banken Kapital zu beschaffen.

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