Boizenburg : Rekordhochwasser gut überstanden

Alte Reifen, Räder, Mülltonnen und Paletten kommen ans Tageslicht. Dietmar Kreiss
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Alte Reifen, Räder, Mülltonnen und Paletten kommen ans Tageslicht. Dietmar Kreiss

147 Zentimeter zeigte der Pegel Boizenburg, als eine Autokolonne den Hafen erreichte. Das waren 543 Zentimeter unter dem höchsten Wert auf der Tafel mit den Pegelständen.

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14. Mai 2011, 03:55 Uhr

147 Zentimeter zeigte der Pegel Boizenburg, als eine Autokolonne den Hafen erreichte. Das waren 543 Zentimeter unter dem höchsten Wert auf der Tafel mit den Pegelständen. In den letzten zehn Jahren musste sie der Graveur wegen hoher Wasserstände vier mal aktualisieren. Nach dem 23. Januar dieses Jahres überschritt seine Eintragung das angegebene Bemessungshochwasser von 680 sogar um zehn Zentimeter.

Darauf machte Frank Müller die Teilnehmer der Frühjahrsdeichschau in Boizenburg aufmerksam. Wir haben diese Situation gut gemeistert, sagte der Abteilungsleiter Naturschutz, Wasser und Boden beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Westmecklenburg. Das zeige einmal mehr, dass die 75 Millionen Euro, die das Land seit der Wende in den Hochwasserschutz investierte, wirklich gut angelegtes Geld seien. Er hob vor den Vertretern des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, des Landkreises Ludwigslust, der Kommunen im Schaubereich, der Bundeswehr, der Wasserschutzpolizei, der Wasser- und Bodenverbände, des Wasser- und Schifffahrtsamtes sowie der zuständigen Behörden und Verbände für den Hochwasserschutz der benachbarten Bundesländer aber hervor, dass es keinerlei Grund für ein entspanntes Zurücklehnen gebe. Im Gegenteil: Neben den weiteren Investitionen, wie die laufende Baumaßnahme Sanierung des linken Sudedeiches Mahnkenwerder und in Dömitz die Bauvorbereitung der Sanierung des Löcknitzdükers (zusammen rund 1,4 Millionen Euro), würde der Unterhaltung der Deiche und anderen Hochwasserschutzanlagen eine besondere Bedeutung zu kommen.

Die Schaukommission überprüfte insbesondere, wie diese das zurückliegende halbe Jahr, hauptsächlich das extreme Januar-Hochwasser 2011 überstanden haben. Notwendige Sofortmaßnahmen und Schlussfolgerungen aus diesem Ereignis wurden dargestellt und erörtert. Ein Thema war der zu geringe Abfluss der Elbe in diesen Tagen. Bei 4000 Kubikmeter pro Sekunde hätte der Pegel am Hafen um bis zu 45 Zentimeter weniger erreicht, erklärte Frank Müller. Tatsächlich waren es nur 3630 Kubikmeter pro Sekunde. Für Experten erklärt das den Grund für das höchste Hochwasser, welches seit 1895 in Boizenburg gemessen wurde.

Die Uferbereiche "bremsen" das Wasser in seinem Lauf. Da geht es beispielsweise um Verbuschung, um Gehölzmanagement und um die Umsetzung der EU-Hochwasserrisikomanagementrichtlinie. Diese fordert europaweit neue Aktivitäten für einen nachhaltigen Hochwasserschutz. Der Fokus liegt auf einer Restrisikobetrachtung und dem Thema Vorsorge. In weiten Teilen des Uferbereichs der Elbe sieht Frank Müller Handlungsbedarf.

Am Hafen verbessert die Stadt mit der fördernden Hilfe des Wirtschaftsministeriums und finanzieller Beteiligung vom StALU die regionale Infrastruktur. Nassbaggerarbeiten sollen einen störungsfreien Schiffsverkehr auch bei niedrigen Wasserständen gewährleisten.

Beim Eintreffen der Schaukommission machte der Bagger auf dem "Dachs" aus Dessau eine Zwangspause. Technische Probleme treten ab und an auf. Eine noch zu klärenden Frage ist für die gewollte durchgängig passierbare Wasserstraße eine Sandbank in Höhe Vier. Fahrgastschiffe kämen schlimmstenfalls über diese nicht hinweg. Frank Müller hat das Problem auf der Suche nach einer Lösung mit nach Schwerin genommen.

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