Rekord bei Single-Haushalten - 333 900 Menschen in MV leben allein

Die klassische Familie in MV ist auf dem Rückzug. Die Zahl der Single-Haushalte erreichte 2007 mit 333 900 einen Rekord. Erstmals sank damit die durchschnittliche Haushaltsgröße im Land unter zwei Personen. Hauptursache: Abwanderung.

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17. September 2008, 08:09 Uhr

Schwerin - Die Struktur der Privathaushalte Mecklenburg-Vorpommerns hat sich gegenüber 1991 deutlich verändert. Nach Angaben des Statistisches Amtes lag die Quote der Ein- und Zweipersonenhaushalte im vergangenen Jahr bei insgesamt 75,4 Prozent – 1991 waren es noch 52,3 Prozent.

Im gleichen Zeitraum sank die durchschnittliche Haushaltsgröße von 2,58 auf 1,97 Personen. Ingesamt gab es 2007 im Nordosten 856 400 Privathaushalte, darunter 333 900 mit Singles, 311 600 mit zwei Personen, 132 800 mit drei sowie 78 100 mit vier und mehr Menschen. Damit lebten in nur noch jedem vierten Haushalt mehr als zwei Personen.

Hauptursachen für die Abkehr von der klassischen Familie sind laut Statistischem Amt der Wegzug junger Leute und die niedrige Geburtenrate. So verlor MV im Jahr 2007 fast 22 000 Einwohner im Alter von 15 bis 30 Jahren durch Abwanderung. Im Gegenzug zogen nur knapp 14 000 Gleichaltrige in den Nordosten.

Noch immer verließen zu viele junge Leute das Land, räumt auch der familienpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jörg Heydorn, ein. Sie bräuchten Arbeits- und Ausbildungsplätze mit Perspektiven, faire Löhne und ein kinderfreundliches Umfeld. Mit dem Konzept „Kinderland MV“ und einer „verantwortungsvollen Wirtschaftspolitik“ sei das Land aber auf dem richtigen Weg.

Der Familienexperte der CDU, Harry Glawe, sagte gegenüber unserer Zeitung: „Wir müssen den Menschen Mut machen, langfristige Bindungen einzugehen. Das geht am besten durch eine klar auf den ersten Arbeitsmarkt ausgerichtete Politik.“ Wer Arbeit habe, sage Ja zu Kindern und Familie – das zeige die steigende Zahl der Eheschließungen.

Aus Sicht der oppositionellen Linksfraktion im Landtag sind indes die lang anhaltende Arbeitslosigkeit, die bundesweit geringsten Einkommen und Hartz IV für den Single-Trend verantwortlich. Hinzu komme eine „kinder- und familienfeindliche Politik“, kritisiert die familienpolitische Sprecherin der Fraktion, Marianne Linke. Die „zunehmend erpresste Mobilität“ von Arbeitnehmern führe zur Vereinzelung.

Die oppositionelle FDP-Fraktion fordert ein ganzes Maßnahmen-Paket als Antwort auf den demografischen Wandel. Das reiche von einer besseren Infrastruktur im ländlichen Raum etwa bei den Schulstandorten und Schulwegen sowie der Krankenhausversorgung bis hin zur Stärkung beruflicher Perspektiven auch außerhalb der Tourismusbranche.

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