Rekord an Langenhägener Seewiesen: Im Oktober 3598 Kraniche gezählt

Naturfreunde beobachten den Kranichanflug an den Langenhägener Seewiesen. Foto: migb
Naturfreunde beobachten den Kranichanflug an den Langenhägener Seewiesen. Foto: migb

Herbstzeit ist Kranichzeit, vor allem in Langenhagen. Auf den dortigen Seewiesen kommen allabendlich Tausende der Großvögel zur Ruhe, um sich am nächsten Morgen wieder auf die umliegenden Futterplätze zu begeben. In diesem Oktober zählten die Naturfreunde so viele Kraniche wie lange nicht.

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23. Oktober 2008, 08:03 Uhr

Langenhagen - Es ist kurz vor 18 Uhr: Laute trompetenartige Rufe kündigen den Anflug der Kraniche an. Durch das Fernrohr sind sie deutlich zu erkennen. Wie an einer Perlenschnur am Horizont aufgereiht, fliegen die Vögel heran, umkreisen die Seewiesen und gleiten dann langsam mit weit gestreckten Beinen ins seichte Wasser.

Meist auf zwei der insgesamt drei Wasserflächen. 50, 100, 300 Tiere mitunter in einer Gruppe. Das ist schon ein Schauspiel, welches sich Naturfreunde nicht entgehen lassen und deshalb aus vielen Gegenden der Region und aus ganz Deutschland anreisen. Sogar Reisebusse wurden hier gesichtet und immer wieder vermischt sich der Trompetenklang der Kraniche mit dem „Aah!“ und „Ooh!“ der Besucher.

Viele sind natürlich entsprechend ausgerüstet mit Fernrohr und Fotoapparaten. Nützlich ist ein Teleobjektiv für noch bessere Aufnahmen und noch ein Tipp: In Langenhagen fotografiert man am besten in den Morgenstunden, da scheint das Licht besser in die Bucht hinein. Wenn man ein wenig Glück hat, kann man mit einem guten Fernglas mitunter auch bunt beringte Kranichfüße sehen.

Dabei handelt es sich um farbige Kunstoffringe, die die Kraniche identifizieren. Während das rechte Bein der persönlichen Identifikation dient, gibt ein beringtes linkes Bein Auskunft über das Herkunftsland. So gibt der rote Ring an, dass der Vogel in Schweden zur Welt kam, grün zeigt Polen an und blau bzw. auch blau/weiß/blau sind Tiere, die in Deutschland geboren wurden. Um die Herkunft garantieren zu können, werden die Jungvögel ausschließlich im Frühjahr beringt.

Die Kraniche, die hier in Langenhagen in den Morgen- und Abendstunden eintreffen, kommen vorrangig aus Skandinavien, sie legen hier einen Zwischenstopp auf ihrem Flug ins Winterquartier nach Spanien und Portugal ein. Dazu gesellen sich die Vögel, die in unseren Breiten den Sommer verbracht haben. Gemeinsam in größeren Gruppen holen sie sich auf den umliegenden Feldern ihr Futter, um sich für den Weiterflug zu rüsten, den sie dann meist im November antreten.

Die Langenhägener Seewiesen eignen sich sehr gut als Schlafplatz. Im seichten Wasser stehen die Tiere und sind auf diese Weise vor Raubwild, etwa Füchsen, geschützt. Etwa ein bis zwei Stunden vor Sonnenuntergang beginnt der imposante Anflug und ein bis zwei Stunden nachdem die Sonne aufgegangen ist, verlassen die Tiere den Schlafplatz. Seit 1992 wird das Kranichvorkommen in Langenhagen vom Förderverein Langenhägener Seewiesen aufmerksam verfolgt.

So kann nachgewiesen werden, dass im Oktober seinerzeit rund 1030 Tiere zur Übernachtung auf die Seewiesen kamen. Diese Zahl steigerte sich langsam und im Jahre 1996 wurden schon 2584 Vögel gezählt. Danach waren es mal mehr, mal weniger bis zum Tiefpunkt im Jahre 2003. Damals zählten die Mitglieder nur etwa 900 Tiere, seiter geht es wieder leicht aufwärts und schwankte stets zwischen 1500 und rund 3000 Exemplaren.

„In diesem Oktober haben wir bislang einen Rekord feststellen können. Am Sonntag haben wir 3598 Kraniche gezählt“, freut sich Holger Klukas vom Förderverein Langenhägener Seewiesen. Für die Naturfreunde gibt es viele Informationen in der Beobachtungshütte. Übrigens, für die Besucher am Abend ist auch ein kleiner Kiosk geöffnet, der heißen Tee oder Kaffee sowie Bockwurst anbietet.

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