Reformer übernehmen IHK, Zusammenarbeit mit Kammerchef Rothe in der Diskussion

Der monatelange Machtkampf bei der Industrie- und Handelskammer Schwerin (IHK) ist entschieden: Die zu drei Vierteln neu besetzte Vollversammlung wählte den Schweriner Unternehmer Hans Thon zum neuen Präsidenten. Nach monatelangen Querelen mit der alten Kammerführung hat sich der Reformflügel damit durchgesetzt.

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13. Dezember 2008, 06:33 Uhr

Eindeutiger hätte die Entscheidung nicht fallen können: Bei der gestrigen Wahl der neuen Schweriner Kammerführung gaben am Ende selbst Mitglieder der alten Vollversammlung, die erneut den Sprung ins Parlament geschafft hatten, dem neuen Kammerchef und seinen vier Vizepräsidenten ihre Stimme. Die alte Führung sei eindeutig abgewählt worden", meinte Hans Thon im Anschluss. Keiner der ehemaligen Präsidiumsmitglieder hatte es erneut in die Vollversammlung geschafft.

Der 65-Jährige, der einst das Parchim-Center in der Kleinstadt entwickelte, in der Elde-Stadt Call-Center mit 1000 Mitarbeitern ansiedelte und heute Chef der Dreescher Immobilien Verwaltungs-GmbH in Schwerin ist, soll die Kammer aus ihrer bisher schwersten Krise führen. Thon und die vier anderen für sechs Jahre gewählten Präsidiumsmitglieder, die ohne Gegenkandidaten zur Wahl standen, haben die Erwartungen selbst hoch gesteckt: Der, wie er von sich selbst sagt, Vollblutunternehmer war einer der ersten, der sich 2007 den Reformern der IHK anschloss. Sie hatten vor allem den inzwischen 14 Millionen Euro kostenden IHK-Neubau als zu teuer, zu groß und nicht notwendig kritisiert und der bisherigen Kammerführung fehlende Kommunikation mit den 24 000 Mitgliedsunternehmen vorgeworfen. Damit trafen sie den Nerv der Unternehmer. 35 der 44 Sitze in der Vollversammlung wurden neu besetzt.

Gestern schien es, als wollte die Kammer der Vollversammlung noch einmal demonstrieren, wie notwendig ein größerer, repräsentativer Kammerbau ist. Auf wenig mehr als 30 Quadratmeter - der zweitgrößte eigene Tagungsraum der IHK - traf sich die neue Vollversammlung. Die Kritik am neuen Kammerbau blieb trotzdem: Die Wirklichkeit in der Wirtschaft sehe anders aus, als ein solches „Monument" verdeutlichen würde. „Etwas mehr Bescheidenheit wäre besser", meinte Thon, der sich auch für eine Vielzahl sozialer Projekte engagiert. „Wir sehen den Neubau auf dem Prüfstand." Unmittelbar nach der Wahl sollen die bereits abgeschlossenen Verträge eingesehen werden.

Das Präsidium wolle nach Möglichkeit noch in diesem Jahr über die Zukunft des Baus entscheiden. Kern seiner Kritik sei nicht die Pflichtmitgliedschaft in der IHK, sagte Thon, der auch im Präsidium des Unternehmerverbandes sitzt. Aber die bisherige Kammerführung habe die Mitglieder bei der Planung des IHK-Neubaus „nicht mitgenommen". Sie habe vielmehr „ein Stück abgehoben" agiert. „Das ging nicht demokratisch zu", meinte Thon gestern und kündigte an, in der Kommunikation neue Akzente setzen zu wollen. „Wir wollen mehr Transparenz", so Vize Uwe Hellriegel.

Die Fehler werden vor allem dem Hauptgeschäftsführer Klaus-Michael Rothe angelastet. Seine berufliche Zukunft steht auf der Kippe. Thon gestern: Bei den derzeitigen Differenzen könne er sich „nur schwer vorstellen" mit Rothe weiter zusammenzuarbeiten. Vor einer „zeitnahen" Entscheidung der Personalfrage werde sich das Präsidium allerdings mit der Hauptgeschäftsführung zusammensetzen und ausloten, „wo es Schnittmengen" gebe und ob das Verhältnis „zu reparieren" sei.

Für Thon ist aber klar: „Vertrauen muss da sein." Klaus-Michael Rothe wollte gestern keinen Kommentar abgeben. Nur so viel: „Wo Menschen arbeiten, bleibt es nicht aus, dass Fehler gemacht werden". Und weiter: „Wer nicht die Bereitschaft und die Fähigkeit hat, konstruktiv zusammenzuarbeiten", sei in einer Einrichtung wie der Kammer „nicht richtig orientiert". Genau daran hat er es aber missen lassen, so die Kritiker. Es sei „bedauerlich", dass die Reformer bislang „von allen Informationen abgeschnitten" worden sind, meinte Thon: „So geht man nicht mit Partnern um."

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