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Reformer sind in der Realität angekommen

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erstellt am 20.Jan.2010 | 07:02 Uhr

Schwerin | Zu groß, zu teuer und nicht notwendig: Die Kritik der Reformer der IHK Schwerin an dem mit 14,4 Millionen Euro bisher teuersten Kammerneubau in MV hat die Kammer Ende 2008 in die bisher tiefste Krise gestützt. Ein Jahr später ist bei den Erneuerern Ernüchterung eingekehrt, die Reformer sind in der Realität angekommen.

Kein IHK-Mitarbeiter werde in das neue Gebäude einziehen, hatte IHK-Präsident Hans Thon noch zum Neujahrsempfang 2009 erklärt. "Etwas mehr Bescheidenheit wäre besser", sagte er unmittelbar nach seiner Wahl zum Präsidenten. Ab Montag beziehen die 60 IHK-Angestellten nun doch ein. "Ich fühle mich nicht sehr behaglich", musste Thon jetzt seine Niederlage eingestehen. "Das war nicht meine Wunschvorstellung", meinte er. "Wir wollten etwas verändern, haben es aber nicht geschafft." Ein Verzicht auf den Neubau wäre nur mit erheblichen Kosten verbunden gewesen. Kaufinteressen hätten abgewunken. Jetzt stehe zumindest der Verkauf der in Nachbarschaft liegenden anderen beiden der Kammer gehörenden Bürogebäude an. Es gebe Angebote. "Das ist aber mehr als ein Einfamilienhaus zu verkaufen", sagte Thon.

Thon und das Präsidium muss kleinere Brötchen backen. Die Rebellion eines Teils der Unternehmer an dem überteuerten Prestigebau und gegen zu hohe Mitgliedsbeiträge hatte den Reformern 2008 zum Sieg bei den Kammerwahlen verholfen. Am Ende des in MV bisher nicht dagewesenen Machtkampfes stand der Sturz des kompletten alten Präsidiums, die Neubesetzung der Vollversammlung und vor allem die Abberufung des Hauptgeschäftsführers Klaus-Michael Rothe - zerrüttetes Vertrauensverhältnis, befand die Vollversammlung. Eine Zukunft bei der Kammer wird es für ihn kaum mehr geben: "Wir arbeiten an einer stillen Lösung", so Thon. Beide Seiten wollten sich "gütlich einigen" und strebten "eine Regelung im gegenseitigen Einvernehmen an".

Doch die Versprechen von einst warten darauf, eingelöst zu werden. Keine Spur von Beitragssenkungen, nach dem Einzug in den neuen IHK-Tempel erst recht nicht. Angesichts der Wirtschaftskrise und drohender Mindereinnahmen gebe es dafür keinen Spielraum. Ohne Neubau und Wirtschaftsflaute wären hingegen die Beiträge "schon heute zu senken gewesen", sagte Thon. Nun werde "wahrscheinlich erst 2011 eine geringfügige Reduzierung des Beitrages möglich".

Trotz der nicht eingelösten Wahlversprechen sieht Thon die IHK Schwerin auf einem neuen Weg. "Die Kammer ist nicht mehr das, was sie einmal war." Die Führung sei gestrafft, das unter Ex-Chef Rothe vorherrschende eiskalte Arbeitsklima einer "völlig neuen Kultur" und einem "offenen Umgang" gewichen.

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