Reduzierung der Fangquote für Hering stößt im Nordosten auf Kritik

Ein frisch geangelter Dorsch hängt an einem Ast am Strand der Ostsee-Insel Hiddensee. Nach immer neuen Alarmrufen über das bedrohliche Schrumpfen der Dorsch-Bestände in der Ostsee gibt es wieder Lichtblicke. Foto: dpa
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Ein frisch geangelter Dorsch hängt an einem Ast am Strand der Ostsee-Insel Hiddensee. Nach immer neuen Alarmrufen über das bedrohliche Schrumpfen der Dorsch-Bestände in der Ostsee gibt es wieder Lichtblicke. Foto: dpa

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29. Oktober 2008, 10:51 Uhr

Rostock - Die von der EU-Kommission beschlossene Reduzierung der Fangquote für Hering in der westlichen Ostsee um 39 Prozent ist in Mecklenburg-Vorpommern auf Kritik gestoßen. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) bezeichnete die Entscheidung am Dienstag als „schwer verdaulichen Fisch“. Die Kutter- und Küstenfischer sprachen von einer „Katastrophe“. Die FDP- Landtagsfraktion bezeichnete die Senkung der Fangquote als inakzeptabel.

Der Minister verwies darauf, dass der Beschluss der Fischereiminister angesichts der von Experten empfohlenen 63- prozentigen Senkung eine „deutliche Verbesserung“ darstelle. Dennoch bedeute die Regelung für die Fischer eine jährliche Einbuße von 1,2 Millionen Euro.

Backhaus, der die anderen am Montag beschlossenen Fangquoten für weitere Fischarten für „verkraftbar“ hält, hofft auf Subventionszahlungen für die betroffenen Fischer, die ab 2010 möglich sein sollen. „Wir werden Gespräche mit dem Bund führen, um eine verträgliche Lösung zu finden“, sagte der Minister. Es gehe aber nicht nur um die Fischer, sondern um einen ganzen Wirtschaftszweig der weiterverarbeitenden Industrie in Mecklenburg-Vorpommern.

Die FDP-Landtagsfraktion meinte, die beschlossenen Quoten seien zwar als Kompromiss formuliert. Sie würden den Fischern jedoch in keiner Weise weiterhelfen, sagte Sigrun Reese, fischereipolitische Sprecherin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Für viele Küstenfischer werde es um die Existenz gehen.

Die Kutter- und Küstenfischer sprachen von einer „Katastrophe“. Der Vorsitzende des Landesverbandes, Norbert Kahlfuß, sagte, insbesondere die Reduzierung des Heringsfangs um 39 Prozent habe für die Fischer in MV gravierende Auswirkungen. Es gebe keine Ausweichmöglichkeit.

„Mit diesem EU-Beschluss wird sich unsere Flotte automatisch verkleinern.“ Kahlfuß hält es für möglich, dass in der Folge jeder vierte Fischer seinen Job aufgibt. Auf spektakuläre Protestaktionen soll dennoch verzichtet werden: „Wir setzen auf politische Lösungen.“

Dabei können die Fischer kaum auf Unterstützung durch Wissenschaftler hoffen. Heringsexperte Tomas Gröhsler vom Rostocker Institut für Ostseefischerei bezeichnete die starke und sofortige Senkung der Fangquote als „guten Schritt“.

Warum der Heringsnachwuchs 2007 in der westlichen Ostsee erstmals - wie in der benachbarten Nordsee bereits seit sechs Jahren - gravierend geschrumpft ist, wissen die Wissenschaftler noch nicht. „Eine Überfischung liegt jedenfalls nicht vor“, sagte Gröhsler. Er räumte ein, dass die EU- Beschlüsse für die Fischer besonders bitter seien.

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