Rechtsextremistisches Jugendcamp aufgelöst

Auf diesem Gehöft nahe Neu Mistorf war das Zeltlager aufgeschlagen. Foto: Hans-Jürgen Kowalzik
Auf diesem Gehöft nahe Neu Mistorf war das Zeltlager aufgeschlagen. Foto: Hans-Jürgen Kowalzik

von
08. August 2008, 08:54 Uhr

Neu Mistorf - Der Landkreis Güstrow hat gestern Abend mit Hilfe der Polizei ein Zeltlager der rechtsextremistischen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) auf einem Privatgelände bei Neu Mistorf aufgelöst. Einen Tag zuvor hatte die Güstrower Polizei das Zeltlager bereits mit 28 Kräften sowie Beamten des Staatsschutzes durchsucht. Ein Bürger hatte die Polizei am Donnerstag auf das Lager aufmerksam gemacht, so gestern Güstrows Polizeichef Matthias Knöchelmann.

Im Lager trafen die Beamten 26 Kinder ohne Eltern sowie 16 Jungen und Mädchen im Alter zwischen acht und 14 Jahren mit ihren Eltern an. Die Jugendlichen trugen einheitliche Uniformen und kamen vor allem aus Berlin, Brandenburg, Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und auch aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Polizei beschlagnahmte u. a. zwei Fähnchen mit Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Auf einem der Fähnchen sei das Hakenkreuz zu sehen gewesen, so Knöchelmann. „Zudem fanden wir zwar nicht verbotene, aber bedenkliche Schriften, die zeigen, dass hier nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet wurde“, sagte der Polizeichef. „Der Landkreis und wir sind vorrangig eingeschritten, weil dieses Gedankengut an Kinder weitergeben wurde.“ Es handelte sich offensichtlich um ein Schulungslager der HDJ, wobei Verhaltensweisen und Lebensformen aus der Zeit des Nationalsozialismus praktiziert wurden, so die Polizei.

Die Polizei musste allerdings auch feststellen, dass das rechtsextremistische Jugendcamp bereits die ganze Woche nahe Neu Mistorf stattfand. Heute sollte es zu Ende sein. Die 14 Unterkunftszelte sowie drei Gemeinschaftszelte hätten sich versteckt in einer Baumgruppe auf dem weitläufigen Gelände befunden, so Knöchelmann. Auch hätten die Rechtsextremen „Geländespiele“ veranstaltet.

Die HDJ ist nicht verboten, vertritt jedoch nach Informationen des Verfassungsschutzes ein rechtsextremistisches, am Ideal der „Volksgemeinschaft“ orientiertes Weltbild. In Neu Mistorf – das Gehöft gehört aber zur Gemeinde Hohen Sprenz – hatten Familien zwar mehrfach Jugendliche gesehen, auch beobachtet, dass Zelte aufgebaut worden waren und einige hatten Trompetenmusik gehört – aber daran nichts Verdächtiges gefunden. Ein Bürger erinnerte sich, dass auf dem gleichen Gehöft zur Sommersonnenwende auch gefeiert wurde. Vermutung, mit ähnlich Gesinnten wie dieses Mal. Die Bürgermeister der Gemeinden – Hans-Georg Hinrichs und Angelika Exler – wussten nichts von dem Zeltlager. Ein Neu-Mistorfer meinte: „So etwas möchten wir bei unserem Ort aber nicht haben. Da hätte eher eingegriffen werden müssen. Aber dann hätte man wissen müssen, was da abläuft.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen