Rechter Aufmarsch gestoppt - Ermittlungen

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22. August 2010, 03:36 Uhr

Ein Jahr vor der nächsten Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern registriert die Polizei zunehmende Aktivitäten von Rechtsextremen. So stoppten in der Nacht zu Sonntag 60 Polizisten in einem Wohngebiet in Stralsund ein unangekündigten Aufmarsch. Wie erst am Wochenende bekannt wurde, hatten Rechtsextreme bereits am Donnerstag in Demmin versucht, mit Sprühparolen die Verlegung sogenannter Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus zu behindern. Beide Vorfälle standen laut Polizei im Zusammenhang mit dem Todestag von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß, den Rechtsextreme bundesweit seit Jahren im August für volksverhetzende Aktionen nutzen.

In Stralsund hatten sich kurz vor Mitternacht etwa 70 Rechtsgerichtete im Stadtteil Knieper-West versammelt. Der Zug mit teilweise vermummten Teilnehmern stoppte auch nicht, als ein Einsatzwagen mit zwei Beamten ihn anhalten wollte. Mit Schlägen und Tritten gegen das Polizeiauto zogen die Marschierer vorbei, sagte ein Polizeisprecher. Sie hätten erst mit Hilfe von Verstärkungskräften zwei Straßen weiter gestoppt werden können. Als mutmaßlicher Anführer wurde ein 27-Jähriger aus Parchim festgenommen, 55 weitere Teilnehmer erhielten Platzverweise. Es werde wegen des Verdacht auf Landfriedensbruch ermittelt.
In Demmin wurden volksverhetzende Parolen in schwarzer und roter Farbe genau da auf den Gehweg gesprüht, wo die Stolpersteine verlegt werden sollten. In dem Haus wohnte eine jüdische Familie, deren Mitglieder in einem NS-Konzentrationslager umgebracht wurden. Die Tatverdächtigen seien ermittelt, hieß es. Linke Jugendliche demonstrierten am Wochenende gegen die Aktivitäten der Rechten in Demmin. Die Stadt hat die Sprühereien inzwischen beseitigt. Die Stolpersteine sollen am Montag feierlich in Demmin übergeben werden.

Das Innenministerium in Schwerin hatte zuvor schon mitgeteilt, dass im Auto eines Rechtsextremen in Demmin auch Plakate mit diffamierenden und beleidigenden Inhalten gegen Innenminister Lorenz Caffier (CDU) beschlagnahmt wurden. Ähnliche provozierende Plakate hatten Unbekannte zuvor in Nordwestmecklenburg aufgehängt. Das Schweriner Innenministerium vermutet die rechtsextreme NPD hinter dieser Aktion. In Anklam und Pasewalk wurden am Samstag ebenfalls „Stolpersteine“, also Metallplättchen mit den Geburts- und Sterbedaten der Opfer nationalsozialistischer Gewalt, verlegt.

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