Rechte und Pflichten eines Laubenpiepers

Detlev Rauch
Detlev Rauch

von
26. August 2010, 10:49 Uhr

Wie geht der Wunsch nach einem Kleingarten in Erfüllung? Susanne Lang sprach mit dem obersten Gärtner des Landes.

Herr Rauch, wie komme ich an einen Kleingarten?

Detlev Rauch: Viele Vereine bieten ihre freien Parzellen über ihre Homepage an. Ansonsten können sich Interessenten an die Vorstände der Vereine oder an den jeweiligen Kreis- oder Regionalverband wenden. Man sollte sich aber rechtzeitig über die Rechte und Pflichten eines Kleingärtners in einem Verein informieren und abwägen, ob man diesen Verpflichtungen nachkommen kann. Man sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass die Pflege eines Gartens Zeit kostet. Man sollte keinesfalls einen Garten ohne Zustimmung des Vorstandes von einem anderen Pächter kaufen, sondern sich über den Vorstand eines Kleingartenvereins darum bewerben.

Muss man als Erbe den Pachtvertrag übernehmen?

Da der Grund und Boden eines gepachteten Kleingartens nicht Eigentum des Erblassers ist, kann dieser auch nicht vererbt werden - nur das Eigentum an Baulichkeiten und Pflanzungen. Ein Pachtvertrag, den Eheleute gemeinschaftlich abgeschlossen haben, wird beim Tod eines Partners mit dem Überlebenden auf dessen Wunsch hin fortgesetzt. Beim Tod eines Pächters kann mit einem seiner Kinder ein neues Pachtverhältnis abgeschlossen werden.

Wenn man den Garten ab- oder aufgeben möchte - was ist zu beachten? Bleiben zum Beispiel Nutzungsverträge aus DDR-Zeiten gültig?

Dort, wo es vereinzelt noch Nutzungsverträge aus DDR-Zeiten gibt, wird bei einem Pächterwechsel ein Pachtverhältnis abgeschlossen - der Nutzungsvertrag verliert seine Gültigkeit. Laut Einigungsvertrag und Bundeskleingartengesetz wurden die Nutzungsverhältnisse aus der DDR-Zeit in Pachtverhältnisse übergeleitet. In den neuesten Pachtverträgen ist geregelt, dass das Pachtverhältnis mit einer dreimonatigen Frist schriftlich zum 30. November des Jahres zu kündigen ist. Bei Beendigung des Pachtverhältnisses fällt die Parzelle an den Verpächter, meist an den Vorstand des Vereins zurück. Der Verpächter sorgt für die fachgerechte Schätzung des Gartens. Die Kosten der Schätzung trägt, wenn nichts anderes vereinbart, der ausscheidende Pächter. Falls bei Beendigung des Pachtverhältnisses kein Nachfolgepächter da ist, wird dem Pächter bis zur Dauer von einem Jahr gestattet, sein Eigentum, also Baulichkeiten und Anpflanzungen, auf der Parzelle zu belassen. Wenn nach Ablauf eines Jahres kein Nachfolger gefunden ist, ist der Pächter zur Räumung der Parzelle von seinem Eigentum verpflichtet.

Wie geht der Verband mit dem aktuellen Problem der Zwangsentsorgung für Abwasser um?

Der Landesverband hat eine Arbeitsgruppe "Abwasser" berufen, die einen klaren Arbeitsauftrag vom Vorstand erhalten hat. Wir erwarten im November erste Ergebnisse. Das Gesetz sieht vor, dass die Problematik der Entsorgung der Abwässer per 31.12.2013 gelöst ist. Dort, wo die Schaffung der Voraussetzungen derart teuer ist, dass sie keinem Kleingärtner zugemutet werden kann, müssen wir nach Auswegen suchen, die nicht nur im Plumpsklosett zu sehen sind. Dennoch sehen wir dieser Gefahr ins Auge, da insbesondere unsere älteren und die sozial schwachen Kleingärtner die auf sie zukommenden Kosten nicht schultern werden und den Ausweg nur in der Kündigung sehen.

Zur Entwicklung der Kleingärten: Sind es immer noch überwiegend Nutzgärten?

Laut § 1 des Bundeskleingartengesetzes dient ein Kleingarten insbesondere der Gewinnung von Gartenerzeugnissen für den Eigenbedarf und zur Erholung. In der Praxis wird von der sogenannten Drittelung gesprochen. Ein Drittel der Fläche dient dem Anbau von Obst und Gemüse, ein weiteres dem Anbau von Ziergewächsen, das letzte Drittel dient der Erholung; dazu gehören Laube, Rasen, Sandkasten oder Biotop.

Junge Familien erobern mittlerweile die Kleingärten - ein neuer Trend?

Die Frage ist von Verein zu Verein unterschiedlich. Dort, wo die Vereine den Kontakt zu Kindergärten und Schulen herstellen, dort, wo die Vereine Kinderfeste organisieren, gibt es sicherlich weniger Nachwuchssorgen. Die Einführung des Schulgartenunterrichts würde mit Sicherheit bei den Schülern das Interesse an der Natur wecken und letztlich auch dazu führen, den Kleingarten zu entdecken. Es ist aber schon zu beobachten, dass sich immer mehr junge Familien dem Kleingarten zuwenden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen