Ratgeber : Raus in die Wintersonne!

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In der warmen Jahreszeit hört man allerorts Warnungen vor allzu viel Sonnenlicht. Jetzt, wo sich die Sonne rar macht, merkt aber so mancher: Ganz ohne ihre Strahlen geht es auch nicht.

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21. Dezember 2010, 10:26 Uhr

In der warmen Jahreszeit hört man allerorts Warnungen vor allzu viel Sonnenlicht. Jetzt, wo sich die Sonne rar macht, merkt aber so mancher: Ganz ohne ihre Strahlen geht es auch nicht.

Nicht nur, dass sich an langen dunklen Tagen die Stimmung eintrübt, was bis hin zu einer behandlungsbedürftigen Winterdepression führen kann. Fehlendes Sonnenlicht kann auch einen Mangel an Vitamin D zur Folge haben.

Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin, das den Kalziumhaushalt reguliert und an der Mineralisation des Knochens beteiligt ist. Und mehr noch: Es ist unerlässlich für den Gesundheitszustand von Muskeln, Sehnen und Gelenken, ver- oder behindert die Entstehung einiger Krebsarten, von multipler Sklerose, Diabetes Typ 1, einigen rheumatischen Erkrankungen, Bluthochdruck - und es vermindert bei Älteren die Häufigkeiten von Stürzen.

Der Körper nimmt Vitamin D aus der Nahrung auf - allerdings nur zu einem geringen Anteil, der in unseren Breiten lediglich zehn Prozent erreicht. Vor allem wer sich allzu kalorienbewusst und einseitig ernährt, läuft sogar Gefahr, noch sehr viel weniger Vitamin D über die Nahrung aufzunehmen. Denn Hauptlieferanten sind fetter Fisch, Eier und in gewissem Maße auch fetthaltige Milchprodukte. Fettarme Lebensmittel wie Obst und Gemüse enthalten dagegen praktisch kein Vitamin D.

Mit 90 Prozent allerdings ohnehin weitaus größer ist der Anteil an Vitamin D, den der Körper selbst unter dem Einfluss von Sonnenlicht in der Haut produziert. In sonnenscheinarmen Regionen Nordeuropas bzw. im Winter auch in Mitteleuropa können daraus echte Probleme resultieren: "Untersuchungen haben ergeben, dass hier im Norden trotz ausgewogener Ernährung viele Menschen nur relativ niedrige Vitamin-D-Werte haben", weiß Prof. Dr. med. Stephan Sollberg(kleines Foto), Chefarzt der Hautklinik an den Schweriner Helios Kliniken. Allerdings schränkt er auch ein, dass ein Normwert noch gar nicht definiert sei - "denn je nach dem, was erreicht werden soll, sind ganz unterschiedliche Vitamin-D-Spiegel nötig." Soll eine Rachitis, also eine gestörte Mineralisierung der Knochensubstanz bei Kindern und Jugendlichen, oder eine adäquate Knochenstoffwechselerkrankung beim Erwachsenen ausgeschlossen werden, ist weniger Vi tamin D vonnöten als beispielsweise zur Krebsprophylaxe.

Letzteres sei eine Wirkung, die erst in jüngerer Zeit bekannt geworden ist, so Prof. Sollberg. Vor allem bei Brust- und bei Darmkrebs käme dem Vitamin D mit großer Wahrscheinlichkeit eine Schutzfunktion zu. Doch auch bei anderen Krebsarten - bis zu 20 - könne Vitamin-D-Mangel das Erkrankungsrisiko erhöhen. Jetzt sei es Aufgabe der Medizinforschung, Werte für eine optimale Vitamin-D-Versorgung zu ermitteln.

Bekannt ist, dass es bei bestimmten Personengruppen besonders oft zu einer Unterversorgung mit Vitamin D kommt. Das sind Säuglinge und Kleinkinder, schwangere und stillende Frauen, ältere und/oder bettlägerige Menschen, Dunkelhäutige sowie Personen, die aus religiösen oder kulturellen Gründen ihren Körper weitgehend verhüllen. Besonders für sie, aber auch für alle, die nicht zu einer Risikogruppe gehören, sind regelmäßige Aufenthalte im Freien auch an trüben Tagen der beste Schutz vor einem Vitamin-D-Mangel. "Täglich mindestens 15, besser sogar 30 Minuten lang Gesicht, Hände und Unterarme dem Licht auszusetzen, reicht zumindest aus, um so viel Vitamin D zu bilden, wie für eine Rachitisprophylaxe erforderlich ist", so Prof. Sollberg. Sonnenbrände, zu denen es auch im Winter - vor allem an Sonnentagen bei geschlossener Schneedecke sowie beim Wintersport im Gebirge - kommen kann, müssen dabei unbedingt vermieden werden, da gerade Sonnenbrände auf der anderen Seite wiederum das Hautkrebsrisiko erhöhen.

Besteht nachweislich bereits ein Vitamin-D-Mangel oder ist es jemandem nicht möglich, sich täglich sein Tageslicht-Quantum im Freien abzuholen, können Medikamente helfen, die bereits aktives Vitamin D enthalten. Hier sollte man allerdings ärztlichen Rat einholen, denn eine Überdosierung kann unter Umständen zu Nierensteinbildung, zu Kalkablagerungen in Blutgefäßen und Gewebe sowie zu einer Muskelschwäche führen.

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