Raupen mit riesigem Hunger

Eigentlich verlieren Eichen ihre Blätter erst im Herbst. Doch der Eichenprozessionsspinner macht ihnen schon im Juni den Garaus. Maßnahmen gegen die Raupe werden nicht eingeleitet.

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13. Juni 2008, 12:43 Uhr

Prignitz - Autofahrer, die auf der B 195 hinter dem Ortsausgang Lanz auf die Bäume rechts und links der Fahrbahn blicken, dürften momentan ihren Augen kaum trauen: Viele der Eichen haben keine Blätter mehr.

„Der Befall des Eichenprozessionsspinners ist in diesem Streckenabschnitt am extremsten“, sagt Holger Galonska, Oberförster in der Oberförsterei Gadow. Die Eichen zwischen Bernheide und Lanz seien ebenfalls stark betroffen, fügt Galonska hinzu. Zu Tausenden befallen die Raupen die Pflanze, fressen sie ab und ziehen dann zum nächsten Baum. „Sie sterben nicht ab, aber werden in ihrem Zuwachs und in ihrer Vitalität geschwächt“, erklärt Galonska. Ende Juni treiben die Eichen jedoch noch ein zweites Mal aus. „Das ist der sogenannte Johannestrieb, dann sprießen noch ein zweites Mal Blätter“, erläutert der Oberförster.

Er sowie Wolfgang Heck, Sachgebietsleiter Landschaftspflege und Umweltschutz im Landesbetrieb Straßenwesen Niederlassung West, weisen auf die Gefahren für die Menschen hin. „In den Härchen der Raupe befindet sich ein Kontaktgift, dass starke Reaktionen bis hin zu Allergien hervorrufen kann“, erklärt Heck. Durch die Härchen und das darin enthaltene Sekret gebe es auch kaum Vögel, die die Eichenprozessionsspinner fressen. „Sie schmecken ziemlich bitter, nur eine Spechtart nimmt sie zu sich“, sagt Galonska.

Derzeit bereitet Paul Eschen, Mitarbeiter im Ordnungsamt Lenzen/Elbtalaue ein Schreiben an den Landesdienst für Straßenwesen vor. „Wir haben noch einmal Rücksprache mit dem Gesundheitsamt gehalten, da ihre Härchen starke Reaktionen hervorrufen können“, sagt Eschen. Bereits im Februar sei von Experten kontrolliert worden, wie groß die Eiablage der Raupe sei. „Im Ergebnis stand, dass keine Gefahr für Kreis-, aber eine Restgefahr für Landes- und Bundesstraßen besteht“, erzählt Eschen. Und das wirke sich jetzt aus, fügt er hinzu.

Der Landesbetrieb Straßenwesen, der für die Bäume entlang von Bundesstraßen zuständig ist, wird nichts gegen die gefräßige Raupe unternehmen. „Es macht keinen Sinn, wenn wir die Tiere nur abschnittsweise bekämpfen und Eigentümer, auf deren Grundstücken auch befallene Bäume stehen, können nichts tun“, sagt Cornelia Mitschka, Pressesprecherin des Landesbetriebes Straßenwesen.

Zudem gebe es kein wirklich wirksames zugelassenes Mittel, dass diese Tiere langfristig zurückdrängt, fügt sie hinzu. Derweil fressen Eichenprozessionsspinner an den Blättern der Eichen hinter Lanz munter weiter.

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