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Eigentümer wollen Flächen für Fahrradweg nicht verkaufen : Radweg: Selmsdorf öffnet die Kasse

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Von Lübeck nach Nordwestmecklenburg mit dem Fahrrad an die Ostsee - das ist nur was für ganz Mutige. Bis nach Selmsdorf ist es kein Problem. Doch dann wird es schwierig.

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erstellt am 30.Jul.2011 | 03:44 Uhr

Von Lübeck nach Nordwestmecklenburg mit dem Fahrrad an die Ostsee - das ist nur was für ganz Mutige. Bis nach Selmsdorf ist es kein Problem. Doch dann wird es schwierig. Denn von Selmsdorf aus gibt es keinen Radweg nach Dassow. Wagemutige wie Adelheid Bangel und ihre Schwester Margot Hausmann aus Lübeck bleibt nichts anderes übrig - sie müssen die viel befahrene Bundesstraße 105 entlang. "Wir wurden schon gewarnt in Selmsdorf. Da waren junge Männer, die haben gesagt, wir sollten vorsichtig fahren, weil die Autos so dicht an einem vorbei fahren und da wäre schon ein Unfall passiert."

Gemeinde kämpft seit 17 Jahren für die Radstrecke

Neun Kilometer lang ist die kurvenreiche Strecke, auf der fast ausschließlich Tempo 70 gilt. Anfang der 90er Jahre galt sie als Todesstrecke. Weil hier damals so viele tödliche Verkehrsunfälle passierten, wurden Leitplanken gesetzt. Für Autofahrer ist die Straße jetzt sicherer, für Radfahrer umso gefährlicher. "Das geht eigentlich gar nicht. Radfahrer können nirgendwo ausweichen", weiß Selmsdorfs stellvertretender Bürgermeister Christian Albeck (SPD). Seit 17 Jahren schon kämpft die Gemeinde für den Radweg. Anfang des Jahres sah es noch gut aus. Da hieß es: Noch in diesem Jahr wird angefangen, den Radweg zu bauen.

Mittlerweile war Bürgermeister Detlef Hitzigrat (parteilos) beim Straßenverkehrsamt in Schwerin. Mit einer enttäuschenden Nachricht für Radfahrer kam er zurück. "Wie wir jetzt erfahren haben, gibt es wohl zehn Grundstückseigentümer, die nicht bereit sind, ihre Grundstücke zu verkaufen und das Vorhaben nach wie vor blockieren." Bis zu einen Euro pro Quadratmeter bietet das Straßenverkehrsamt Schwerin. Für viele Eigentümer offenbar zu wenig. Deshalb will jetzt die Gemeinde Selmsdorf helfen. Sie hat dank der Deponie Ihlenberg eine gut gefüllte Gemeindekasse und will diese jetzt großzügig öffnen. Christian Albeck: "Der Vorteil, den die Gemeinde hat, ist, dass wir 50 Cent oder ein Euro mehr zahlen können für einen Quadratmeter. Und wir haben natürlich auch den großen Vorteil, dass wir Austauschflächen anbieten können für die, die lieber Land haben möchten als Bargeld." Spätestens bis zum Winter soll alles geklärt sein, hofft Bürgermeister Hitzigrat. Für ihn ist der Radweg "sehr wichtig". Für Albeck wäre er gar der wichtigste im ganzen Kreis.

Adelheid Bangel und ihre Schwester Margot Hausmann atmen tief durch, als sie in Dassow ankommen - nach neun gefährlichen Kilometern. "Ich bin froh, dass wir endlich im Ort sind", sagt Hausmann. Für sie und ihre Schwester war es vorerst das letzte Mal, dass sie von Lübeck aus mit dem Rad in den Nordwestkreis gefahren sind. Erst wenn es zwischen Selmsdorf und Dassow einen Radweg gibt, wollen sie wieder kommen. So lange radeln sie lieber in Lübeck und Umgebung - auf sicheren und gut ausgebauten Radwegen.

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