Radiomann im Visier der Justiz

Gegen den "Ostseewelle"-Moderator Marcus Japke ermittelt die Rostocker Staatsanwaltschaft wegen Bankrotts. Er soll seine Einkünfte als Radiomann gegenüber dem Gericht verschleiert haben.

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29. Mai 2012, 01:05 Uhr

Rostock | Auf seiner Homepage heißt es: Er wäre gerne einmal Mann des Jahres. Außerdem: nach dem Job "Sonnenbrille auf und im Z3-Cabrio rumkurven". Doch ganz so lässig scheint das Leben für Marcus Japke wohl nicht mehr zu sein. Gegen den "Ostseewelle"-Moderator, der allmorgendlich als Gute-Laune-Bär seine Radiohörer begeistern will, ermittelt die Rostocker Staatsanwaltschaft wegen Bankrotts. Wie Oberstaatsanwalt Andreas Gärtner auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte, soll er seine Einkünfte als Radiomann gegenüber dem Gericht verschleiert haben.

Im Jahre 2005 habe der 38-Jährige beim Leipziger Amtsgericht Insolvenz beantragt, vermeldeten Zeitungen. Dabei gehe es um eine Summe von rund 300 000 Euro bei elf Gläubigern. Frühestens 2012 könnte Japke von seiner Restschuld befreit werden. Hierfür darf er jedoch während des Verfahrens nicht auffällig werden, die sogenannte Wohlverhaltensphase. Er muss alle Einkünfte dem Insolvenzverwalter offenlegen und sich an alle Auflagen halten. Und das scheint er nicht getan zu haben. In dieser Zeit hätte der Moderator wohl besser nicht mit Luxusautos herumfahren sollen. Seine Gläubiger haben Anzeige erstattet.

Laut Gärtner komme es immer wieder vor, dass Gläubiger ihren Schuldner anzeigen, weil die gestellten Forderungen nicht erfüllt werden oder vermutet wird, dass der Schuldner Vermögenswerte auf andere überschrieben hat.

Am 12. Dezember vergangenen Jahres dann der vorläufige Höhepunkt: Polizei und Staatsanwaltschaft rücken aus. Wohnungen und Büros, insgesamt zwölf verschiedene Stellen, werden durchsucht. Davon acht in Rostock und Umgebung, die anderen in Berlin und Köln. Während dieser Aktion wurden verschiedene Papiere beschlagnahmt. Die bei dem Moderator und "Dritten sichergestellten - umfangreichen - Unterlagen werden derzeit noch gesichtet und ausgewertet", so Gärtner.

Damit ist nicht nur der Radiomann ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Drei guten Bekannten Japkes soll vorgeworfen werden, ihm dabei geholfen zu haben, sein Vermögen beiseite zu schaffen. Als Beispiel wurden in den Medien günstige Arbeitsverträge oder geschickte Firmenführung genannt.

Hinzu komme das Auftreten als Geschäftsführer einer Firma im Bereich Radio und Fernsehen. Diese soll 2004 von seiner damaligen Lebensgefährtin gegründet worden sein. Das Unternehmen soll eine Gaststätte betreiben, in der der Moderator immer wieder den Ton angegeben haben soll. Bis 2011 war die Ex-Freundin Geschäftsführerin und Alleininhaberin. Nicht zuletzt soll Japke in einem zweigeschossigen Eigenheim mit großer Garage und gepflegtem Grundstück leben, dort aber nicht gemeldet sein.

Der Sender "Ostseewelle" wollte sich gestern nicht konkret zu den Vorwürfen gegen den Moderator äußern. Geschäftsführer Tino Sperke sprach lediglich von einem "Gebot der Fairness", erst einmal abzuwarten, was bei den Ermittlungen herauskommen wird. Bei einem solch jungen "Ermittlungsgeschehen" könne noch alles passieren. Über den Sender hat unsere Zeitung gestern auch versucht, eine Stellungnahme von Japke zu bekommen. Bis Redaktionsschluss gab es jedoch keine Reaktion.

Laut Staatsanwaltschaft dauern die Ermittlungen noch an. "Ein konkreter Zeitpunkt für den Abschluss des Verfahrens kann noch nicht prognostiziert werden", fügt Gärtner hinzu. Ein vorzeitiges Ende des Insolvenzverfahrens würde Japke nicht nur finanziell treffen. Seine Gläubiger hätten Zugriff auf sein Vermögen und seine Einkünfte. Bei einer Verurteilung vor Gericht kann es eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe geben.

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