Racheakt eines Skinheads?

In diesem Reihenhaus in Fürstenzell bei Passau wohnt Alois Mannichl. Der Täter  klingelte ihn am Sonnabendabend  heraus und stach ihn dann mit einem Messer nieder. Foto: dpa
In diesem Reihenhaus in Fürstenzell bei Passau wohnt Alois Mannichl. Der Täter klingelte ihn am Sonnabendabend heraus und stach ihn dann mit einem Messer nieder. Foto: dpa

Der Täter schlich sich in der Dunkelheit an, klingelte an der Haustür des Polizeichefs und stach schließlich zu. Nach dem Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl hat die Polizei zwei Verdächtige vorläufig festgenommen, inzwischen aber wieder freigelassen. Das Verbrechen könnte wahrscheinlich auf das Konto von Neonazis gehen.

svz.de von
15. Dezember 2008, 01:54 Uhr

Passau/Fürstenzell - Passau - Nach dem Attentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl hat die Polizei zwei Tatverdächtige vorläufig festgenommen. Ein Sprecher der Polizei in Regensburg bestätigte am frühen Montagmorgen einen entsprechenden Bericht der „Passauer Neue Presse“. Inzwischen sind beide wieder auf freiem Fuß.
Der Polizeichef war in den vergangenen Monaten rigoros gegen die ausufernden Gewalttaten von Rechten im Raum Passau vorgegangen. Von der Szene wurde dies mit üblen Schmähungen im Internet quittiert. Nun ist Mannichl offenbar beim Racheakt eines Skinheads nur knapp mit dem Leben davongekommen. Am Sonnabend gegen 17.30 Uhr hatte ein etwa 1,90 Meter großer kräftiger Mann Mannichl aus dessen Reihenhaus herausgeklingelt. Der Beamte öffnete nichtsahnend die Tür und wurde gleich mit einer üblen Parole begrüßt. „Viele Grüße vom nationalen Widerstand, du linkes Bullenschwein, du trampelst nicht mehr auf den Gräbern unserer Kameraden herum“, sagte der kahlköpfige Messerstecher nach den bisherigen Ermittlungen zu dem Polizeichef, als er ihm das Messer in den Bauch rammte.

Der Hinweis auf die Gräber deutet auf konkrete Zwischenfälle mit Rechtsextremisten in jüngster Vergangenheit in Passau hin. Im Juli war der letzte Vorsitzende der seit 1995 verbotenen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“, Friedhelm Busse, in Passau beigesetzt worden. Rund 90 Gesinnungsgenossen kamen dazu nach Niederbayern und zettelten Krawalle an.

Daraufhin gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und Polizisten. Vor knapp einem Monat kam es dann bei einer Gedenkfeier aus Anlass des Volkstrauertages erneut zum Konflikt zwischen Polizei und Rechtsradikalen. Die NPD beschwerte sich anschließend über das „dreiste und provokante Verhalten der von Steuergeldern bezahlten Beamten“.

Passau war schon früher immer wieder das Ziel von Neonazis aus halb Europa. In den 1990er- Jahren gab es dort in der inzwischen abgerissenen Nibelungenhalle regelmäßig Kundgebungen mit mehr als 1000 Rechten aus mehreren Ländern. Hunderte Polizisten aus ganz Deutschland wurden immer wieder eingesetzt, um Straßenschlachten zwischen den Rechtsextremisten und Gegendemonstranten zu verhindern.

Innenminister Herrmann lobte am Sonntag, dass Mannichl immer konsequent und hart gegen Extremisten vorgegangen sei. Dies habe aber auch Folgen gehabt, betonte er. „Er ist im rechtsradikalen Bereich zu einer starken Anti-Person geworden.“ Der Münchner Generalstaatsanwalt Christoph Strötz glaubt wie auch Herrmann, dass das Attentat auf Mannichl für eine neue Dimension von Neonazi-Gewalt in Deutschland steht: „Ich sehe ein Fanal mit überörtlicher Bedeutung.“

Für die Kollegen des schwer verwundeten Polizeichefs steht erst einmal die Suche nach dem flüchtigen Täter und möglichen Komplizen im Mittelpunkt. Nach bisherigen Erkenntnissen sprach der Angreifer in bayerischem oder österreichischem Dialekt. Gestern wurde daher die Suche nach dem kahlköpfigen Mann auch auf Österreich ausgeweitet. Nach der Bluttat wurden zwar bereits mehrere Männer überprüft, eine heiße Spur gab es aber noch nicht.


Hintergrund:


Der Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl gilt seit einiger Zeit als Feindbild von Rechtsextremen. Da in diesem Jahr die Zahl der rechten Gewalttaten im Bereich seiner Polizeidirektion stark zugenommen hat, ging Mannichl bei Aufmärschen von Skinheads und in anderen Fällen konsequent gegen die Extremisten vor. Er wollte nicht zulassen, dass die Region immer mehr zu einem Zentrum rechter Umtriebe wird. Die Rechtsradikalen quittierten dies mit etlichen Schmähungen im Internet. So titelte vor wenigen Wochen die Passauer NPD auf ihrer Homepage: „Polizeidirektor Mannichl belästigt Trauergäste.“ Die rechtsextremistische Partei warf dem 52-Jährigen vor, dass er mit seinen Beamten bei einer Gedenkveranstaltung während des Volkstrauertages am 16. November NPD-Mitglieder gezielt schikaniert habe.

Mannichl gilt als ein ebenso umsichtiger wie auch professioneller Polizist. Er ist seit 35 Jahren bei der bayerischen Polizei. Nach seiner Zeit bei der Grenzpolizei wurde er 1997 Chef der Abteilung für organisierte Kriminalität beim Regensburger Polizeipräsidium. Später wurde er zunächst stellvertretender Leiter der Passauer Polizei, ehe er im September 2004 zum Polizeidirektor in der Dreiflüssestadt ernannt wurde.

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